Der Philosoph und der Diktator besuchten dieselbe Schule in Linz. Kannten sich die beiden? Ein Puppentheater von Roman Paska zu diesem Thema feiert in Linz Premiere.
Ludwig Wittgenstein und Adolf Hitler, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Linz die selbe Schule besucht haben, sind die zentralen Figuren des Puppentheaters "Schuljungenspiel oder Es gibt kein Subjekt" des amerikanischen Regisseurs Roman Paska. Das Auftragswerk für Linz09 feiert morgen, Samstag, in der Linzer Hafenhalle Uraufführung. Am Freitag stellten Paska und der Schauspielchef der Kulturhauptstadt, Airan Berg, die Produktion vor.
Tafel erinnert an Wittgenstein
Wittgenstein und Hitler haben die selbe Realschule besucht, dabei gibt es zeitliche Überschneidungen. Ob sich die beiden tatsächlich gekannt haben, ist nicht überliefert.
An den erfolgreichen Absolventen Wittgenstein erinnert noch heute eine Granittafel an der Fassade des Gymnasiums. Von Hitler, der die Schule wegen Erfolglosigkeit schließlich verließ, ist nichts zu lesen.
Roman Paska war von der Geschichte sofort fasziniert und hat daraus ein Stück gebastelt. Er wollte kein Dokudrama machen, erklärte er, vielmehr lautet die Grundannahme: "Was wäre, wenn die beiden dagewesen wären, als ich ein Schulbub war".
Dritte Figur "Everybody"
Neben "Hitch" und "Witch" gibt es daher einen dritten Hauptakteur, genannt "Everybody" (jedermann). Um das englische Wortspiel mit dem Ausdruck "play".
Textlich hat Paska Anleihen bei Shakespeare und in den philosophischen Schriften Wittgensteins, dessen "Tractatus" ihn sehr fasziniert habe, genommen. Hitlers "Mein Kampf" sei hingegen "extrem uninteressant" gewesen. Herausgekommen ist daher eine Collage, die sich "eher an Wittgenstein orientiert", so der Regisseur.
Stück in Englisch
Die etwa 70 Zentimeter großen Puppen hat Paska selbst entworfen, gemeinsam mit Eric Blanc spielt er sie auch. Sie werden mit den Händen bewegt, Schnüre gibt es nicht. Er habe sich stark an japanischen Vorbildern orientiert, erklärte der Regisseur, der mit der Produktion wieder zu seinen Wurzeln als Puppenspieler zurückkehrt. Gespielt wird in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln.
"Schuljungenspiel oder Es gibt kein Subjekt" in der Linzer Hafenhalle, Konzept und Regie: Roman Paska.
Uraufführung am 17. Oktober, 20.00 Uhr, weitere Vorstellungen am 18. Oktober um 20.00 Uhr (danach Publikumsgespräch) sowie am 19. und 20. Oktober um 20.30 Uhr
Mehr Info auf der Linz09-Homepage
(APA)