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Weiterbildung: Learning by Zwitschern

(c) APA
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Auch die Aus- und Weiterbildung komme am „Microblogging“ à la Twitter nicht vorbei, meinen Experten. Schließlich passen wichtige Informationen und Kommentare auch leicht in Kurznachrichten.

Resonanz ist nur eine Frage von zehn Minuten: An die 25 Rückmeldungen erhält Steve Wheeler, E-Learning-Beauftragter der Universität Plymouth, auf ein eine Anfrage, die er an seine weltweite Twitter-Fangemeinde richtet. Neben anderen Web-2.0-Anwendungen setzt er auch den Kurznachrichtendienst Twitter für seine Universitätslehre ein.

„Das Echo dieses neuen Mediums ist gewaltig“, freut sich Wheeler. Und dabei meint er nicht nur jenes, das er selbst auf seine gesendeten Nachrichten bekommt: „Microblogging“ war auch ein viel diskutiertes Thema im Rahmen der Fachkonferenz für Interactive Computer Aided Learning (ICL).

 

Hype oder Zukunft

„Microblogging“ ist wie bloggen, nur eben in kleinerer Dimension: Nutzer senden Mitteilungen, die weniger als 200 Zeichen umfassen, per Internet, Instant Messenger oder vom Handy aus. Andere Nutzer, die sogenannten Followers, können diese Meldungen kostenlos abonnieren. So informiert man sich gegenseitig, kommentiert aktuelle Ereignisse oder verweist auf interessante Links. „Hier entsteht eine Art Mikrokosmos“, erklärt Wheeler. Dabei dominieren inhaltlich längst nicht mehr die privaten Befindlichkeiten. Unternehmen; Politiker und Prominente zwitschern mit Kurznachrichten Werbung in eigener Sache in die Welt hinaus. Gerade als Marketinginstrument wird das „Twittern“ weiter an Bedeutung gewinnen, bestätigt das Marktforschungsinstitut Gartner Group.

Aber auch in der Aus- und Weiterbildung kommen die Kurznachrichtendienste vermehrt zum Einsatz. Nützlich sind sie vor allem „zur effizienten Vernetzung von Studierenden. Außerdem zwingen sie die Studenten zur präzisen Darstellung von Sachverhalten“, wie Martin Ebner, Leiter AG Vernetztes Lernen an der TU Graz, erklärt. „Meine Studierenden müssen viermal pro Woche einen Kurzbericht über ihre Einsichten und Aktivitäten senden“, so Ebner. Aus Datenschutzgründen verwende man allerdings nicht Twitter, sondern den Open-Source-Dienst Laconica.

 

Digitaler Schneeballeffekt

„Vor allem für einen Diskurs, bei dem kurze Informationen, Meinungen und Bilder ausgetauscht werden, eignet sich das Medium“, sagt Andreas Pester von der FH Kärnten, die die ICL-Konferenz veranstaltete. „Wesentliche Elemente des Microblogging sind das Kommentieren von Beiträgen, das Verweisen auf interessante Fundsachen im Web sowie das Einbringen neuer Ideen“, betont Wheeler den Mehrwert der schnelllebigen Informationsportale.

Soziale Netzwerke funktionieren wie ein digitaler Schneeballeffekt: „Die Interaktivität und Informationsverbreitung nimmt mit der Anzahl der Followers zu“, so Wheeler. Virales Marketing nennt das der Fachjargon. Doch Ausbildungsinstitutionen, die soziale Medien einsetzen, bewegen sich auf einem schmalen Grat, meint er: „Die Wirkung kann spektakulär sein, wenn die Botschaft für die Community interessant ist.“ Wenn nicht, kann der Effekt schnell ins Gegenteil umschlagen. Nutzer sollten sich aus diesem Grund gut überlegen, welche Information sie ins Netz stellen. Wie bei allen anderen Web-2.0-Anwendungen verändert nicht die Software allein das Lehr- und Lernverhalten der Nutzer: „Wir müssen sinnvolle Einsatzszenarien in der Aus- und Weiterbildung generieren, bei denen Microblogging-Dienste als Mittel zum Zweck dienen“, erklärt Wheeler. Noch ist der Zwitscher-Hype nicht am Höhepunkt, aber schon wartet der nächste in den Startlöchern: Für Ebner ist das die „Augmented Reality“, auf Deutsch: die „erweiterte Realität“. Eine Plattform, auf der man nicht nur textlich zwitschern kann, sondern auch multimedial mit Bildern und Videos.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2009)

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