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Ex-Wirtschaftsdelegierter: "Russland hat Rezession überwunden"

Russian Retail Inside a Perekrestok Supermarket Operated by X5 Retail Group
Bloomberg
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Die Wirtschaft werde heuer um 1,5 Prozent wachsen. Wegen der Sanktionen habe sich Russland vor allem bei Lebensmittel mit eigener Produktion unabhängiger gemacht.

Die Rezession, in die Russland durch den Verfall der Öl- und Gaspreise und die Sanktionen geraten war, sei nun überwunden, sagte Dietmar Fellner, der acht Jahre lang als Wirtschaftsdelegierter in Moskau die Interessen österreichischer Firmen vertreten hat.. Die russische Wirtschaft werde heuer nach Meinung aller damit befassten Ökonomen wieder wachsen, und zwar um 1,5 Prozent. Das sei nicht viel, "aber ich vergleiche die russische Wirtschaft mit einem Güterzug auf der Transsibirischen Eisenbahn. Diese Güterzüge sind bis zu einem Kilometer lang, und es dauert sehr lange, bis so ein Zug zusammengestellt ist und ins Rollen kommt. Wenn er aber einmal unterwegs ist, dann bewegt er einiges."

Beim aktuellen Ölpreis werde die russische Wirtschaft bis 2020 um durchschnittlich 1,5 bis 2 Prozent pro Jahr wachsen. Das Wachstum könne sich aber auch rascher verbessern, wenn der Ölpreis wieder steige. Das russische Staatsbudget werde etwa zur Hälfte durch den Verkauf von Energieträgern - vor allem Öl und Gas – finanziert.

Export für Österreich schwieriger

Russlands Wirtschaft ist gerade dabei, sich "aus der Rezession herauszuschälen", und davon werden auch die österreichischen Exporteure profitieren, sagt Dietmar Fellner, der acht Jahre lang als Wirtschaftsdelegierter in Moskau die Interessen österreichischer Firmen vertreten hat. "Aber der paradiesische Zustand wie bis 2013, dass man alles dort verkaufen konnte - das wird es nicht mehr spielen."

Denn durch die westlichen Sanktionen sei Russland gezwungen gewesen, die eigene Produktion zu forcieren, und es seien auch bisherige Lieferanten gezwungen gewesen, eigene Produktionen in Russland zu errichten. Speziell im Agrarbereich und in der Lebensmittelverarbeitung hätten diese Importsubstitutionen schon gefruchtet, sagte Fellner, der seit Jahresbeginn im Ruhestand ist. Die Sanktionen gegen Russland hätten "niemandem etwas gebracht, sie haben eigentlich beiden Seiten einen Schaden zugefügt", sagt Fellner.

Auch der österreichischen Exportwirtschaft hätten die Sanktionen geschadet. "Die österreichischen Exporte nach Russland haben sich in drei Jahren halbiert. Wir haben 2013 um 3,5 Mrd. Euro dorthin geliefert, im Jahr 2016 waren es 1,8 Milliarden." Die Exportchancen für Österreich seien aber vor allem für den Maschinen- und Anlagenbau intakt, sagte Fellner. "Das waren immer 50 Prozent unserer Exporte, dort liegen weiterhin unsere Chancen." Österreichische Firmen hätten 500 Niederlassungen in Russland, "und die haben diese Krise fast alle durchgetaucht, die sind ja nicht weggelaufen".

(APA)