EU-Bericht

Extreme Kälte setzt Flüchtlingen zu

Die EU-Grundrechteagentur kritisiert, dass tausende Migranten entlang der Balkanroute von den Behörden in unverantwortlicher Weise der eisigen Kälte ausgesetzt werden. Besonders prekär ist die Lage an der serbisch-ungarischen Grenze und in Bulgarien.

„Die frostigen Temperaturen und die nach wie vor schlechte Einrichtungen setzen viele Flüchtlinge und Migranten einer Gefahr aus.“ Mit diesen Worten kritisiert ein neuer Bericht der EU-Grundrechteagentur (FRA), der am Freitag in Wien veröffentlicht wurde, insbesondere die Länder entlang der Balkanroute.

Laut Hilfsorganisationen steigt in den Ländern Südosteuropas die Zahl an Toten und jener, die mit Erfrierungen in Spitäler eingewiesen werden müssen – darunter auch Kinder. Als Beispiel wird im FRA-Bericht die ungarisch-serbische Grenzregion angeführt. Zuletzt waren hier die Temperaturen auf bis zu minus 20 Grad gesunken. In diesem Gebiet übernachten zahlreiche festsitzende Migranten in selbst hergestellten Zelten. „Die Folge ist, dass mittlerweile jede zweite Person krank ist, viele leiden unter Fieber, Erkältungen oder Grippe“, heißt es im Bericht.
Allein im Dezember hätten ungarische Sicherheitskräfte 2290 Personen bei einem versuchten illegalen Grenzübertritt aufgegriffen. Sie und weitere 1400 Personen, die sich der Grenze genähert hatten, sind laut der Grundrechteagentur zurückgeschickt worden. Sie befänden sich nun großteils in Transitzonen, wo sie hoffen, die Weiterreise antreten oder einen Asylantrag stellen zu können.

7300 sitzen in Serbien fest

Allein in Serbien sitzen laut dem UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) derzeit 7300 Menschen fest. 82 Prozent von ihnen seien mittlerweile in staatlichen beheizten Unterkünften untergebracht worden. Der Rest aber lebe in inadäquaten Unterkünftigen. Auch jene wenigen, denen eine Weiterreise nach Ungarn gelingt, ergeht es nicht besser. Der FRA-Bericht kritisiert, dass die Regierung das Lager in Bicske geschlossen habe, wo die Verhältnisse noch einigermaßen gut waren. Danach wurden diese Menschen in deutlich schlechteren Unterkünftigen verlegt.
Das UNHCR übt zudem Kritik an polizeilichen Übergriffen entlang der Balkanroute. Einzelnen Migranten sei das Handy zerstört worden, damit sie keine Hilfe rufen konnten. „Einige berichten sogar, dass ihre Kleidungsstücke konfiziert wurden, um sie so zusätzlich den eisigen Wintertemperaturen auszusetzen.“
Prekär ist die Lage wegen der anhaltend tiefen Temperaturen auch in Bulgarien. Laut der EU-Grundrechteagentur sind dort im Dezember 440 Migranten neu angekommen. Viele von ihnen dürften für die winterlichen Temperaturen nicht ausgerüstet gewesen sein. Eine somalische Frau ist in den Strandzha-Bergen erfroren aufgefunden worden. Anfang Jänner, so berichtet der UNHCR, seien die Leichen von zwei irakischen Männern im Südosten des Landes gefunden worden. Auch sie dürften an den Folgen von Kälte und Erschöpfung gestorben sein. An der griechisch-türkischen Festlandgrenze kam ein afghanischer Mann durch Unterkühlung ums Leben.

Weniger Neuankommende

Sowohl die EU-Grundrechteagentur als auch das UNHCR berichten, dass die Zahl der Menschen, die über die Balkanroute in den Norden wandern wollen, weiter sinkt. In Griechenland kamen in den ersten drei Wochen des neuen Jahres nur noch 393 Personen aus der Türkei an. Obwohl die Belastung für die Behörden abnimmt, werde den Ankommenden der Zugang zu staatlichen Einrichtungen immer öfter verweigert oder verzögert.
„Besorgniserregend“ wird auch die Situation in Griechenland genannt. Zwar hat das UNHCR auf den Inseln Lesbos und Chios Hunderte Migranten in bessere Unterkünfte verlegt. Auf Samos seien derzeit aber noch immer rund 1000 Personen, darunter Familien mit kleinen Kindern, in ungeheizten Schlafsälen untergebracht. Auf den griechischen Inseln befinden sich laut UNHCR derzeit rund 14.000 Menschen, am Festland weitere 32.000.