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Radikale Islamisten bleiben am Westbalkan ein Problem

Auch im Kosov sind Sicherheitsmaßnahmen erhöht worden.
Auch im Kosov sind Sicherheitsmaßnahmen erhöht worden.(c) REUTERS (HAZIR REKA)
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Es soll mehr als 100 Wahhabiten-Zellen in der Westbalkan-Region geben, in denen radikale Kämpfer angeheuert werden - womöglich auch Terroristen.

Der Westbalkan ist seit Jahren mit dem Problem von radikalisierten Islamisten, die in fremde Kriege ziehen, konfrontiert. Die Teilnahme an bewaffneten Konflikten in Ausland wurde mittlerweile unter Strafe gestellt, ist aber häufig nur schwer nachweisbar. Ebenso die Terrorgefahr, welche die Rückkehrer darstellen.

Einzelne Sicherheitsexperten sprechen mittlerweile von mehr als 100 Wahhabiten-Zellen in der Westbalkan-Region, in welchen radikale Kämpfer, womöglich auch Terroristen angeheuert werden, die meisten - 65 - soll es in Bosnien-Herzegowina geben.

Alit Dz., ein serbischer Staatsbürger, wurde am vergangenen Dienstag von den deutschen Behörden in seine Heimat abgeschoben. Die serbische Öffentlichkeit hat erst am Montag über die Medien erfahren, dass der junge Mann in Deutschland eigentlich unter Verdacht stand, einen Terrorangriff geplant zu haben. Die serbischen Behörden haben sich zum Fall von Alit Dz. bisher nicht geäußert.

Dass am vergangenen Freitag in Wien ein 17-jähriger Mann mit albanischen Wurzeln wegen Terrorverdachts festgenommen wurde, war in Albanien nur einer kurzen Meldung wert. Dennoch sind radikale Islamisten seit Jahren auch im Westbalkan ein Dauerthema. Der Kosovo und Bosnien-Herzegowina gelten dabei als Staaten mit besonders vielen Anhängern des "Islamischen Staates".

"Risiko wurde nicht verringert"

Während kosovarische Behörden behaupten, sich mit der Gefahr des radikalen Islamismus ernsthaft zu befassen, warnte der lokale Sicherheitsexperte Burim Ramadami erst kürzlich vor der Gefahr seiner weiteren Verbreitung. "Das Risiko wurde nicht verringert", erklärte Ramadami gegenüber "Balkan Insight".

Laut Einschätzungen der kosovarischen Behörden haben sich in den vergangenen Jahren insgesamt etwa 300 Bürger des jüngsten Staates Europas in Syrien und dem Irak den Terrororganisationen "Islamischer Staat" oder Al Nusra angeschlossen. Seit September 2014 wurden im Kosovo nach Angaben der Behörden etwa 100 in die Heimat zurückgekehrte Islamisten sowie Personen festgenommen, die sie angeheuert hatten. Gut 30 Islamisten wurden mittlerweile zu Haftstrafen verurteilt.

Die bosnischen Behörden haben nach eigenen Beteuerungen seit Mitte des Vorjahres keine weiteren Reisen ihrer Bürger nach Syrien und den Irak registriert. Nach früheren Angaben von Sicherheitsminister Dragan Mektic halten sich in den beiden Bürgerkriegsländern derzeit rund 120 Bosnier auf, 60 sind in die Heimat zurückgekehrt.

Wegen der Beteiligung an Aktivitäten von Terrororganisationen, darunter dem "Islamischen Staat", wurden laut Mektic bisher gegen 40 Personen Gerichtsverfahren eingeleitet, mehrere wurden bereits abgeschlossen.

70 radikale Islamisten in Sandschak

In Serbien steht besondern die Region Sandschak im Südwesten des Landes im Fokus. In der überwiegend muslimisch geprägte Region wurden laut serbischen Behörden bisher rund 70 radikale Islamisten registriert, die in Syrien und dem Irak gekämpft haben sollen.

Wegen der erhöhter Terrorgefahr wurden auch in den Balkanstaaten die Sicherheitsmaßnahmen schon vor geraumer Zeit erhöht. Ein Terrorangriff wurde zuletzt in Bosnien im April 2015 registriert, als ein Bosniake (Muslime) unter "Allah Akbar"-Rufen in eine Polizeistation in Zvornik, der Stadt an der Grenze zu Serbien, eingedrungen und dort einen serbischen Polizisten getötet sowie zwei weitere verletzt hatte. Zuvor hatte ein junger Mann, der später als radikaler Islamist identifiziert wurde, die US-Botschaft in Sarajevo beschossen. Opfer hatte es damals aber keine gegeben.

Im Kosovo wurde im vergangenen November eine Gruppe von radikalen Islamisten festgenommen, die einen Terrorangriff auf die israelische Fußballmannschaft und deren Fans während eines Fußballmatches in Albanien vorbereitet haben soll.