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Tag X für die „kleine Lösung“ bei Raiffeisen

Aus zwei mach eins. Am Dienstag sollen die RBI-Aktionäre die Fusion mit der RZB beschließen.
Aus zwei mach eins. Am Dienstag sollen die RBI-Aktionäre die Fusion mit der RZB beschließen.(c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)
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Eine außerordentliche Hauptversammlung soll die Fusion von Raiffeisen Zentralbank und Raiffeisen Bank International beschließen.

Wien. Eigentlich sollte nichts mehr schiefgehen – zu hundert Prozent ausgeschlossen ist es aber natürlich nicht. Denn am Dienstag müssen die Aktionäre der Raiffeisen Bank International (RBI) der Fusion mit der Raiffeisen Zentralbank (RZB) im Rahmen einer außerordentlichen Hauptversammlung erst noch grünes Licht geben. Drei Viertel des anwesenden Kapitals müssen bei der um zehn Uhr in Wien beginnenden Aktionärszusammenkunft der Verschmelzung zustimmen, damit der Ende Dezember im Detail veröffentlichte Plan Realität wird. Da die RZB allein jedoch 60,7 Prozent des RBI-Kapitals auf sich vereint, dürfte das Erreichen dieses Votums nur eine Formsache sein.

Geht alles nach Plan über die Bühne, wird es, wie berichtet, ab 1. April nur mehr ein fusioniertes Institut geben. Dieses soll auch künftig Raiffeisen Bank International heißen. Die heimischen Raiffeisen Landesbanken werden weiterhin die größten Aktionäre der RBI sein, in Zukunft allerdings nicht mehr indirekt über die RZB, sondern eben direkt. Auch wird ihr Anteil von derzeit 60,7 auf 65,1 Prozent ansteigen. Grund dafür ist die Unternehmensbewertung und somit das Umtauschverhältnis, auf das sich die Vorstände von RZB und RBI vor rund einem Monat geeinigt haben.

Zwei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, BDO und EY, wurden von den beiden Unternehmen beauftragt, sich selbst und das jeweils andere zu bewerten. Die RZB ist demnach (inkl. RBI-Beteiligung) 4,6 bis 5,3 Mrd. Euro wert, wie aus dem Verschmelzungsbericht hervorgeht. Eine RZB-Aktie kommt dadurch auf einen Wert von 620 bis 784 Euro. Der Wert der RBI wird von den Wirtschaftsprüfern mit 6,2 bis 7,1 Mrd. Euro angegeben. Eine RBI-Aktie hätte demnach einen Wert von 21,32 bis 24,37 Euro. Zum Vergleich: An der Börse werden die Papiere zurzeit um rund 19,4 Euro gehandelt. Die Landesbanken als RZB-Aktionäre werden somit 31,55 RBI-Aktien für eine RZB-Aktie erhalten. Möglich wird das durch eine Kapitalerhöhung im Ausmaß von knapp 36 Millionen neuen Aktien.

Streit um die Zentralfunktionen

Der Fokus der RBI wird auch künftig vornehmlich in Osteuropa liegen, denn das österreichische Geschäftsvolumen der RZB, das durch die Fusion hinzukommt, ist nur verhältnismäßig klein. Hauptaufgabe der RZB war es ja bisher vor allem, verschiedene zentrale Aufgaben für die Landesbanken zu übernehmen. Dies wird sie vorerst auch weiterhin erledigen, allerdings wird hierbei schon seit Längerem an einer gänzlich neuen Struktur gearbeitet.

Grund dafür ist, dass es einerseits für die Attraktivität der Aktie nicht gerade förderlich ist, wenn das Unternehmen weiterhin operative Tätigkeiten – etwa im Bereich Compliance oder Marketing – für seine Großaktionäre übernimmt. Außerdem wollen diese Großaktionäre vulgo die Landesbanken einige dieser Bereiche auch nicht länger in der künftig börsenotierten und somit äußerst transparenten Firma belassen.

Die Zentralfunktionen sollen künftig daher auf die Ebene der Landesbanken wandern. In welcher Form das allerdings geschehen soll, darüber ist man sich noch nicht einig. Möglich wäre einerseits, dass einzelne Landesbanken die Verantwortung für einzelne Themenbereiche für die ganze Gruppe erhalten. Über die Zuteilung dieser zum Teil sehr machtvollen Funktionen gibt es aber einen Streit, dessen Bruchlinie vor allem zwischen der Landesbank NÖ-Wien auf der einen und den Landesbanken von Oberösterreich und der Steiermark auf der anderen Seite verläuft.

Daher wird nun auch immer öfter angedacht, dass sogar eine neue zentrale Koordinierungsstelle für die Landesbanken eingerichtet werden könnte, in der die gemeinschaftlichen Funktionen gebündelt werden. Die mit der RBI fusionierte RZB könnte somit im Kleinen neu gegründet werden.

Dass langfristig an einer stärkeren Zusammenarbeit innerhalb des Raiffeisen-Reiches jedoch kein Weg vorübergeht, dürfte allen Beteiligten klar sein. So fordern Niedrigzinsen und stetig steigende regulatorische Anforderungen wie höhere Kernkapitalquoten, dass jegliche Synergien genutzt werden. Die nun vorliegende Fusion von RBI und RZB gilt dabei als Minimalvariante beziehungsweise „kleine Lösung“. Im Vorjahr standen nämlich auch Fusionen unter Einschluss von einer oder mehreren Landesbanken im Raum. Vor allem die RLB NÖ-Wien soll einer solchen „großen Lösung“ nicht abgeneigt gewesen sein. Diese ist jedoch am Widerstand anderer Landesbanken gescheitert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.01.2017)