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Deutschland: War Sarrazin-Interview intern genehmigt?

"Spiegel": Bundesbankchef wusste von umstrittenen Aussagen.

Wien/Hamburg (ag./red.). Nach Informationen der deutschen Wochenzeitung „Der Spiegel“ ist das umstrittene Interview des Bundesbank-Vorstands Thilo Sarrazin im Voraus genehmigt worden. Der frühere Berliner Finanzsenator sagte im Gespräch mit der Kulturzeitschrift „Lettre International“ über türkische und arabische Einwanderer, diese hätten „keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel“. Die Migranten „produzierten ständig neue kleine Kopftuchmädchen“.

Nach Angaben des „Spiegel“ hat Bundesbankchef Axel Weber den Text gekannt, bevor dieser in Druck ging. Er habe erst protestiert, als das Erscheinen des Interviews nicht mehr aufzuhalten war. Auch die interne Kommunikationsabteilung habe nach der Lektüre des Interviews keine grundsätzlichen Bedenken geäußert; die Bank habe – nach Änderungen – die genehmigte Fassung an die Zeitschrift übermittelt. Nach seinen umstrittenen Äußerungen wurde Sarrazin die Zuständigkeit für den wichtigen Geschäftsbereich Bargeld entzogen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2009)