US-Botschaft in Jerusalem wäre "Kriegserklärung" an Islam

Die US-Botschaft im israelischen Tel Aviv.
Die US-Botschaft im israelischen Tel Aviv.(c) APA/AFP/JACK GUEZ (JACK GUEZ)

Der irakische Schiitenführer warnt US-Präsident Trump davor, die Botschaft aus der offiziellen israelischen Hauptstadt Tel Aviv ins geteilte Jerusalem zu verlegen.

Der irakische Schiitenführer Moktada al-Sadr hat die USA in scharfen Worten vor einer Verlegung ihrer Botschaft nach Jerusalem gewarnt. Dies käme "einer Kriegserklärung" gegen den Islam gleich, erklärte al-Sadr am Dienstag in Najaf.

Er rief dazu auf, eine "spezielle Division zur Befreiung von Jerusalem" zu gründen, sollte der neue US-Präsident Donald Trump seine Ankündigung wahr machen, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und die US-Botschaft dorthin zu verlegen.

Al-Sadr rief zudem die Arabische Liga und die Organisation für Islamische Zusammenarbeit auf, sich gegen eine Verlegung der Botschaft zur Wehr zu setzen oder sich selbst aufzulösen. Die USA haben wie die meisten Staaten ihre Botschaft bisher in Tel Aviv, da sie Jerusalem nicht als Hauptstadt Israels anerkennen, solange es keine endgültige Vereinbarung zwischen Israelis und Palästinensern zum Status der Stadt gibt.

Trump hatte im Wahlkampf zur Empörung der Palästinenser versprochen, Jerusalem als israelische Hauptstadt anzuerkennen. Nach Trumps Amtsantritt am Freitag erklärte das Weiße Haus aber, in dieser Frage sei noch keine Entscheidung getroffen worden. Israel betrachtet Jerusalem als seine unteilbare Hauptstadt, während die Palästinenser Ost-Jerusalem zur Hauptstadt ihres angestrebten Staates machen wollen.

Moktada al-Sadr stammt aus einer einflussreichen Klerikerfamilie im Irak. Nach der US-Invasion im Irak im Frühjahr 2003 hatte der radikale Prediger an der Spitze einer schiitischen Miliz gegen die US-Streitkräfte gekämpft. Auf Druck der Regierung legte er später die Waffen nieder und zog sich zu religiösen Studien in den Iran zurück. Heute tritt der Geistliche als Verfechter politischer und sozialer Reformen im Irak auf.

(APA/AFP)