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5G soll 35000 zusätzliche Jobs bis 2020 bringen

(c) REUTERS (STEVE MARCUS)
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Bis 2022 soll ganz Österreich mit dem schnellen 5G-Datennetz verbunden sein. Laut Studie bringt das jährlich vier Mrd. Euro. Österreich wird damit aber auch zu einem Land der Antennen.

Wien. Eigentlich sollte es ein gemeinsamer Auftritt von Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) sein. Doch mit Gemeinsamkeiten hat es die Koalition derzeit nicht so, außerdem galt es gestern, die Regierung zu retten. Also musste der Digitalkonvent in Wien zurückstehen, bei dem die Regierungsspitze eigentlich ihre Digitalstrategie vorstellen wollte.

Aber Österreich hat ohnehin eine Digitalisierungsstaatssekretärin, nämlich Muna Duzdar (SPÖ), die gemeinsam mit Wirtschaftsstaatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) die Ziele nannte. Der digitale Fahrplan der Regierung definiert zwölf Leitprinzipien bzw. Ziele im Gesellschafts-, Lebens- und vor allem auch Arbeits- und Wirtschaftsbereich. Einhergehend gibt es 150 geplante Maßnahmen. Eingebunden sind alle Ressorts der Bundesregierung.

Wesentlicher Teil der Strategie ist das Ziel, Österreich „zu einem Vorreiter“ beim neuen Handydatennetz 5G zu machen (damit können beispielsweise fünf Gigabyte Daten in vier Sekunden heruntergeladen werden, aktuell benötigt man etwa 120 Sekunden).

 

Ausbau kostet drei Mrd. Euro

Ein ziemlich ehrgeiziges Ziel, wie sich gestern bei einer Pressekonferenz der Vereinigung Internetoffensive Österreich und den Chefs der drei heimischen Mobilfunknetzbetreiber A1 (Margarete Schramböck), T-Mobile (Andreas Bierwirth) und 3 (Jan Trionow) zeigte. Aktuell ist Österreich auf dem sogenannten 5G-Readiness-Index nämlich auf Platz 24 von 32 gereihten Ländern. Man hat also viel Potenzial nach oben.

Etwa drei Milliarden Euro werde der 5G-Ausbau kosten, bis 2020 sollen alle Landeshauptstädte, bis 2022 alle Gebiete Österreichs erschlossen sein.

Nebeneffekt des Ausbaus: „Die Anzahl der Antennen wird sich verdreifachen, möglicherweise pro Anbieter“, erklärte Bierwirth. Trionow sprach gar von einer Vervierfachung. Ein Land der Antennenmasten muss Österreich deswegen aber nicht unbedingt werden, weil die Sender etwa in Straßenlampen eingebaut werden sollen.

Um Europas Vorreiter zu werden, müsse bis Mitte des Jahres eine gesamtheitliche Strategie inklusive Beteiligung des Bundes stehen, betonte Norbert Schöfberger, Präsident der Internetoffensive. Eine funktionierende Regierung wäre dafür natürlich hilfreich. Und auch ein Entgegenkommen, wie Trionow andeutete, als er von einer „wirtschaftlich vertretbaren Verteilung von Frequenzen“ sprach. Beim Verkauf der LTE-Frequenzen 2013 mussten die Mobilfunkanbieter tief in die Tasche greifen: Zwei Milliarden Euro kassierte damals der Bund.

Am Ende profitiere das ganze Land von 5G, rechnete Schramböck vor. Laut Studie schaffe 5G etwa 35.000 zusätzliche Arbeitsplätze und stärke das BIP um jährlich vier Milliarden Euro.

 

100.000 neue Jobs

In ihrer „digital Roadmap“ spricht die Bundesregierung über alle Bereiche von einem möglichen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 50 Mrd. Euro bis 2030 und 80.000 bis 100.000 neuen Jobs alleine im Bereich Informations- und Kommunikationstechnik.

Dass Österreich noch Aufholbedarf hat, bemerkte man ausgerechnet beim IKT-Konvent in Wien: Das angebotene WLAN kam über Downloadgeschwindigkeiten von 1,5 Megabit pro Sekunde nicht hinaus. (rie)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.01.2017)