"Wir brauchen die Demokratie wie die Luft zum Atmen"

Archivaufnahme: Michail Gorbatschow im Jahr 1989
Archivaufnahme: Michail Gorbatschow im Jahr 1989(c) imago stock&people
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Am 27. Jänner 1987 mahnte Michail Gorbatschow in seiner Rede auf dem Plenum des ZK der KPdSU Reformen ein: die Geburtsstunde von "Glasnost" und "Perestroika".

Gerade 65 Jahre hatte die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken Bestand, bis die „Diktatur des Proletariats“ – gekennzeichnet durch sibirische Straflager („Gulags“), eine verstaatlichte Industrie und Landwirtschaft samt rückläufiger Produktionszahlen, einem unzulänglichen Gesundheitssystem und einem Zerfall der öffentlichen Moral, im Sinne eines fortschreitenden Alkoholkonsums der Bürger – in „Glasnost“ und „Perestroika“ zerfiel. „Die Notwendigkeit einer Veränderung war nicht nur auf der höheren politischen Ebene, sondern auch im Bewusstsein der Öffentlichkeit immer sichtbarer herangereift“, skizzierte Michail Gorbatschow 1987 die Lage in seinem elf Zeit- und drei Klimazonen umfassenden Land.

Schon zu seinem Amtsantritt als Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion zwei Jahre zuvor hatte der 56-Jährige erkannt, dass die Zeit der Reformen gekommen war. Mehrfach betonte er, wie notwendig eine „Vertiefung der sozialistischen Demokratie und der Selbstverwaltung des Volkes“ wäre. Am 25. Februar 1986 verwendete er in seinem Grundsatzreferat am XXVII. Parteitag der KPdSU erstmals den Begriff der „Stimme“ (im Deutschen und Englischen aufgrund des russischen голос/golos häufig als „Glas“ verstanden und daher als Offenheit/Transparenz interpretiert) in Sinne einer Lockerung der Meinungs- und Pressefreiheit, mit dem sein politisches Werken fortan verknüpft werden sollte: „Ohne Glasnost gibt es keine Demokratie, und es kann sie auch nicht geben.“

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