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Geteilter Luxus, effiziente Flächen und mehr Service

Trends. Auch im High-End-Segment überlegt man sich inzwischen, was man wirklich braucht.

Das Nutzen von Gemeinschaftseinrichtungen war in den Köpfen lange Zeit etwas, was nicht unbedingt in Zusammenhang mit Luxusimmobilien gebracht wurde. In Zeiten, in denen es gar nicht groß, teuer und edel genug sein konnte, fanden sich in den 250-plus-Quadratmeter-Wohnungen in Wiens Nobelbezirken nicht nur entsprechende Repräsentationsräume, sondern auch das eigene Fitnessstudio und der Ruheraum ausschließlich hinter den eigenen Türen, geteilt wurde bestenfalls mit Familienangehörigen.

► Privat versus öffentlich

Inzwischen ist das Denken der Millennials, dass man nicht unbedingt alles auch besitzen muss, um es zu nutzen, auch in diesem Segment angekommen und hat einen Trend zu mehr Gemeinschaftsflächen auf hohem Niveau geschaffen. „Die Nachfrage nach Angeboten, die man im Haus entweder mitnutzen oder dazubuchen kann, wächst“, weiß Sandra Bauernfeind, Prokuristin bei EHL-Immobilien. Dazu gehören beispielsweise Gemeinschaftsanlagen wie Fitness- und die dazu gehörigen Ruheräume, so sie denn wirklich etwas können. „Wenn dort nicht nur drei Heimtrainer stehen, sondern es ein gut ausgestattetes Studio gibt, ist das schon interessant“, weiß die Maklerin. „Es ist einfach bequemer, am späten Abend im Haus ein solches Angebot zu haben, als noch in ein Center fahren zu müssen.“ Aber auch mit ausgefallenen Angeboten wie beispielsweise einem „Doggy-Washroom“ im Keller versucht sich mancher Entwickler, von der Konkurrenz abzusetzen. Außerdem seien zubuchbare Angebote wie eine Bar, Lounge oder ein kleines Kino, das für Privatvorstellungen gemietet werden kann, beliebt, berichtet die Expertin.
Eine Erfahrung, die auch Martin Müller, Geschäftsführer von JP-Immobilien jüngst immer häufiger macht: „Die Frage, welcher Teil öffentlich ist und was privat, wird wichtiger“, erklärt er. „Denn bei einer kleinen Stadtwohnung stellt sich schon die Frage, wie oft man eine Party mit mehr als sechs Leuten gibt. Und dann hat es mehr Sinn, im Haus einen Salon zu mieten als entsprechend mehr Fläche zu kaufen.“ Und dann auch nur dafür zahlen zu müssen, wenn man sie wirklich in Anspruch nimmt.
Verwaltet werden solche Flächen je nach Konzept über ein Online-Tool, einen der neuerdings häufiger angebotenen Concierges oder Doormen oder über die gute alte Hausverwaltung. Letztere müssen in entsprechend luxuriösen Wohnanlagen einen immer größeren Aufwand betreiben, um die anspruchsvolle Klientel zufriedenzustellen. Denn ein eigener Concierge rechnet sich meist nur dann, wenn viele kleine Einheiten in einem Haus sind, da die Kosten pro Quadratmeter über die Betriebskosten abgerechnet werden. Je nach Verfügbarkeit des dienstbaren Geistes, der sich je nach Vertrag von der Paketannahme über die Verwaltung der Zusatzräume bis hin zur Organisation von Umzugsunternehmen kümmert, kommen hier ein bis zwei zusätzliche Euro Betriebskosten pro Quadratmeter zusammen. Was sich auch im High-End-Segment eher jemand leisten möchte, der eine 60-Quadratmeter-Wohnung besitzt als jener, der in einem 300 Quadratmeter großen Penthouse residiert.

► Klein, aber fein

Wobei die Nachfrage nach kleinen, luxuriösen Wohnungen weiter anhält. „Der Trend zu Singlehaushalten und die Nachfrage nach Zwei- bis Dreizimmerwohnungen ist ungebrochen groß“, erklärt Elisabeth Rohr, Inhaberin von Rohr Real Estate. Gesucht werden diese unter anderem von Käufern, die nicht nur in Wien, sondern auch an anderen Orten der Welt Immobilien unterhalten. „Der vermögende Westösterreicher, der in Wien eine Zweizimmerwohnung mit 100 Quadratmetern sucht, um mit seiner Frau in die Oper zu gehen, sucht auch Luxus“, so Bauernfeind.

► Keine Abstriche

Der aber in absoluten Zahlen klarerweise deutlich bezahlbarer ist, denn die Quadratmeterpreise im Premium-Segment sind in der Hauptstadt stabil hoch. Wobei Abstriche trotzdem nicht gemacht werden wollen, sondern lediglich genauer darauf geschaut wird, was es wirklich braucht: „Da geht es etwa um Flächeneffizienz, indem beispielsweise auf einen großen Vorraum verzichtet wird“, erläutert Müller. Was auch bei der Inneneinrichtung für neue Trends sorgt. Denn so flexibel wie der Grundriss darf gern das Mobiliar sein, was sich besonders bei den neuen Küchenkonzepten bemerkbar macht. Da man auf den Anblick schmutzigen Geschirrs gut verzichten kann, wird etwa das Mantra der völlig offenen Küche oft nicht mehr ganz so laut gesungen. Vielmehr sind inzwischen wahlweise abgetrennte oder zumindest abtrennbare Kochbereiche wieder en vogue.

► Intelligentes Design

Gefragt sind unter anderem intelligente Lösungen, die den schönen Teil der Küche besonders hervorstreichen und den weniger präsentablen elegant verstecken. „Das hat man heuer auf der Möbelmesse in Köln vor allem bei den Italienern gesehen“, berichtet Martin Wetscher, Geschäftsführer von Wetscher-Wohngalerien.
„So kann beispielsweise ein Schrankverbau in die Küche übergehen oder eine Schiebetür dafür sorgen, dass nur der dekorative Küchenblock stehen bleibt.“ Außerdem in Köln zu sehen war sehr viel Hochglanz in Kombination mit raffinierten Geräten, denn „die Küche ist nach wie vor der Ort, an dem man zeigt, was man hat“, bringt es Wetscher auf den Punkt. „Sie gehört zu den letzten Repräsentationsräumen, in die man Gäste einlädt“, so der Tiroler weiter, weshalb auch weder Kosten noch Mühen bei der Einrichtung gescheut werden. Je nachdem, wofür Platz ist, wird etwa mit großen Blöcken mitten im Raum beeindruckt, und auch für das Verstecken des schmutzigen Geschirrs sind Schiebewände oder verschließbare Arbeitsflächen nur eine Option.
Ist mehr Platz vorhanden, wird dieser natürlich auch entsprechend genutzt. „In der Planung zeichnen wir daher oft Küchen mit zwei oder sogar drei Ebenen und einer Hinterküche für die Dinge, die man eben nicht so gern sieht.“ (SMA)

Messetipp

Einen guten Einblick in die neuesten Wohn- und Einrichtungstrends bieten einschlägige Messeveranstaltungen. Für Kurzentschlossene, die die IMM Cologne versäumt haben, könnte sich ein Sprung in den Norden lohnen. Dort findet vom 7. bis 11. Februar die Stockholm Furniture + Northern Light Fair statt. Schwedens größte Möbelmesse, die von der Fach-ausstellung für exklusive Beleuchtungslösungen begleitet wird, lockt mit Vorträgen und Preisverleihungen.

www.stockholmfurniturelightfair.se