Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Stadt Wien sucht neuen Pächter für Cobenzl

Am Dienstag startet das Ausschreibungsverfahren der Pächtersuche für das Restaurant am Schloss Cobenzl. Der frühere Pächter lässt sich davon nicht beeindrucken.

Wien. Ein Jeusuitenkloster, eine Meierei, ein Austragungsort für Konzerte – etwa von Johann Strauß (Vater) – ein Hotel, ein Lazarett und eben ein Restaurant-Café. Im Schloss Cobenzl an der Höhenstraße im 19. Wiener Bezirk war schon einiges untergebracht. Jetzt soll für das Gebäude, das derzeit als Restaurant und Café mit berühmter Aussichtsterrasse genutzt wird, ein neues Kapitel anbrechen. Das will die Stadt Wien so, die einen neuen Pächter sucht.

„Wir wollen eine längerfristige Lösung, die funktioniert“, sagt Stadträtin Ulli Sima am Montag bei einem Hintergrundgespräch zu den neuen Plänen für die prominente Adresse. Dass die Stadt, genau genommen Stadträtin Sima, mit dem einstigen (oder aus seiner Sicht jetzigen) Pächter, Olaf Auer, im Clinch liegt, ist schon länger bekannt. Die derzeitige Nutzung sei nicht mehr zeitgemäß, wiederholte Sima stets. 2012 hat die Stadt den Pachtvertrag gekündigt, im Dezember des Vorjahres bestätigte das nun auch ein Urteil des Obersten Gerichtshofes. Auer hätte somit also mit Anfang Jänner die Immobilie räumen müssen. Er sieht das anders, spricht gegenüber der „Presse“ von einem Fehlurteil und hält nach wie vor den Betrieb aufrecht.

Schloss Cobenzl
Schloss Cobenzl(c) MA 49

Sima hat hingegen am Montag das Prozedere für die Suche nach einem neuen Pächter inklusive Konzept präsentiert. In drei Phasen soll innerhalb dieses Jahres feststehen, wer wie genau die Immobilie bespielen soll. Fest steht, dass das Areal nach wie vor als Restaurant und Café genutzt werden soll, in dem auch Veranstaltungen, wie Hochzeiten, abgehalten werden können. Eine Nutzung als Hotel kommt für die Stadträtin nicht infrage. Und: „Es soll eine enge Zusammenarbeit mit dem Weingut Cobenzl geben.“

Am Dienstag startet also das EU-weite Ausschreibungsverfahren für das 10.000 Quadratmeter große Areal. Bis Anfang März können sich Interessierte melden, die auf Basis von Referenzen nachweisen müssen, dass sie dafür qualifiziert sind. Auch die Bonität muss nachgewiesen werden. Dann werden von einer Jury maximal fünf Bewerber ausgewählt.

In der Jury sitzen Vertreter von Wien Tourismus, der Stadtplanung, des Liegenschaftseigentümers, des Weingutes Cobenzl sowie „Gastronomie-Kenner“, wie Sima sagt. Die fünf ausgewählten Bewerber haben fünf Wochen Zeit, ein Gesamtkonzept inklusive Finanzierung vorzulegen. Im Sommer soll dann der zukünftige Betreiber präsentiert werden. „Wenn der Gewinner oder die Gewinnerin feststeht, wird gemeinsam ein qualitätssicherndes bauliches Konzept erarbeitet“, sagt der Architekt und Juryvorsitzende Albert Wimmer. Bis Endes des Jahres soll dann die gemeinsame architektonische Umsetzung vorliegen. Ob das Gebäude oder Teile davon saniert, umgebaut oder abgerissen werden, hängt also vom neuen Konzept ab. Es besteht kein Denkmalschutz. Auch der Zeitplan für den Umbau (oder Neubau) ist offen.

 

Schloss Cobenzl
Schloss Cobenzl(c) MA 49

Zwischennutzung als Pop-up

Fix ist allerdings, dass in der Zwischenzeit eine Zwischennutzung für die Immobilie vorgesehen ist. Sima will spätestens ab Mai das Gebäude in einer „Pop-up-Form“ bespielen lassen, also als Café-Restaurant, vielleicht mit regionalen Spezialitäten. Wer der Betreiber dieser Zwischennutzung sein soll, ist allerdings noch offen.

Und auch, wann der jetzige oder eben vorige Pächter das Feld räumt, ist offen. „Seit zehn Jahren gibt es das Problem. Bis heute hat man es nicht der Mühe wert gefunden, mit mir zu reden“, sagt Auer zur „Presse“. Wobei er gleich ausrichtet, dass er ohnehin nicht mehr mit der Stadträtin reden wolle, sondern nur noch mit dem Bürgermeister. Seit 34 Jahren habe er jeden Tag offen, er werde das auch weiterhin dabei belassen. Die Stadträtin will hingegen eine Zwangsräumung durchführen. Sima dazu: „Normalerweise dauert so etwas zwei, drei Monate.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.01.2017)