Knapp 600 Mio. Euro muss das größte deutsche Finanzinstitut wegen unsauberen Geschäften in Russland an Aufsichtsbehörden berappen. Deutlich weniger als bisher erwartet.
Frankfurt. Die Deutsche Bank sieht beim Aufräumen der unzähligen Altlasten allmählich wieder Land. Nach der milliardenschweren Einigung im US-Hypothekenstreit kann Vorstandschef John Cryan nun auch einen wichtigen Teil-Vergleich im Geldwäsche-Skandal in Russland vermelden: Mit Aufsichtsbehörden in New York und London handelte er dafür eine Strafe von insgesamt knapp 600 Mio. Euro aus. Deutschlands größtes Geldhaus kommt damit glimpflicher davon als befürchtet. Das sorgte bei Anlegern für Erleichterung. Die Jahresbilanz 2016, die Cryan am Donnerstag in Frankfurt präsentiert, wird wegen der Verfehlungen aus der Vergangenheit aber tiefrot sein.
Die Russland-Affäre ist peinlich für das Institut. Sie kochte 2015 hoch – als das Geldhaus längst seinen sogenannten Kulturwandel ausgerufen und unsauberen Geschäften öffentlich abgeschworen hatte. Nach Ansicht der New Yorker Finanzaufsicht DFS hat die Deutsche Bank zahlreiche Gelegenheiten verpasst, die Machenschaften in Russland aufzudecken, zu untersuchen und zu stoppen. Dabei habe sie zu der Zeit längst gewusst, dass sie großen Nachholbedarf hatte, was die Einhaltung von Vorschriften betreffe, kritisierte DFS-Chefin Maria Vullo. Nach Einschätzung von Ermittlern konnten russische Kunden durch Aktiengeschäfte über die Bank seit 2011 Rubel-Schwarzgeld im Wert von rund zehn Mrd. Dollar waschen. Weil der Dollar betroffen war, schalteten sich auch die US-Behörden ein.
Hinweise ignoriert
Selbst als eine andere europäische Bank die Frankfurter auf widersprüchliche Informationen zu einem der betroffenen Kunden hinwies, habe die Deutsche Bank nicht reagiert – und das später damit entschuldigt, dass der zuständige Manager zu viel zu tun gehabt habe, so die DFS-Chefin. Erst Ende 2014 – viel später als andere Institute – habe die Bank Russland als Hochrisiko-Land eingestuft. Nun bekommt sie für zwei Jahre einen Aufpasser zur Seite gestellt, der interne Abläufe gegen Geldwäsche unter die Lupe nehmen soll.
Zeitweise stand sogar der Verdacht im Raum, dass Geschäfte mit Vertrauten von Russlands Präsident Wladimir Putin gemacht worden sein könnten, die von den USA mit Sanktionen belegt sind. Das hätte die Strafe exorbitant nach oben schießen lassen. Cryan hatte gewarnt, die Deutsche Bank sei an dieser Stelle finanziell „verwundbar“. Finanzkreisen zufolge legte das Institut für Russland sicherheitshalber etwa eine Milliarde Euro zur Seite. Nun wird es doch deutlich günstiger. Im Kern bemängelten die Aufseher nämlich lediglich zu laxe Kontrollen, lobten aber zugleich die Kooperationsbereitschaft der Bank bei der Aufklärung der Affäre. Deshalb gab es nach offiziellen Angaben einen Rabatt.
Vorstand wirbt um Vertrauen
Cryan, seit Juni 2015 im Amt, hat große Teile des Geschäfts in Russland inzwischen eingedampft, insbesondere das dortige Investmentbanking. Sein Vorstandskollege Karl von Rohr, der Rechtsexperte der Bank, entschuldigte sich nun für das Fehlverhalten und warb um Vertrauen: „Wir bauen die Geldwäsche-Überwachung und entsprechende Schulungen kontinuierlich aus“, schrieb er in einem Brief an die weltweit rund 100.000 Mitarbeiter, der auf der Homepage der Bank veröffentlicht wurde.
Die Deutsche Bank will den Russland-Skandal nach früheren Angaben noch in das abgelaufene Geschäftsjahr buchen, das wegen der Sieben-Milliarden-Dollar-Strafe im US-Hypothekenskandal und der Kosten des Konzernumbaus ohnehin als weiteres Sanierungsjahr abgeschrieben ist. (Reuters)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2017)