Grüne: Datenschützer Zeger kandidiert statt Ringler

Neugierde auf etwas Neues, „kein Streit“ mit der Partei: Die Kultursprecherin will sich nach der Wien-Wahl im Oktober 2010 anderen Aufgaben zuwenden.

WIEN(g.b.). Marie Ringler, streitbare Kultursprecherin der Wiener Grünen, wird bei der Gemeinderatswahl nächstes Jahr nicht mehr antreten. „Ich bin immer getrieben von Neugier, ich möchte etwas Neues machen“, sagt sie zur „Presse“. Mit 25 sei sie in den Gemeinderat gekommen, nach fast zehn Jahren in der Politik wolle sie sich nun verändern.

Ihr schwebt eine Tätigkeit im nichtöffentlichen Sektor und nicht im politiknahen Bereich vor. Etwas in Richtung „ethischer Finanzmärkte“ und der Frage, wie Unternehmen die Gesellschaft zum Besseren verändern können. Was genau, ist noch nicht klar. „Ich hab ja noch ein Jahr Zeit.“

Kein wählbarer Listenplatz

Warum Ringler das so lange vor der Wahl bekannt gibt, hat einen parteiinternen Grund: Am 15. November wird die Landesversammlung der Grünen abgehalten, bei der die Wahllisten und die entsprechenden Listenplätze festgelegt werden. Sie habe sich aber schon vor Monaten entschieden, bei dieser Versammlung keinen wählbaren Platz anzustreben, so die grüne Kultursprecherin.

Politische Differenzen mit den Grünen verneint sie. „Die Grünen sind meine politische Heimat, und ich habe hier schöne Jahre erlebt – ich gehe in Freundschaft.“ Dass es anfangs allerdings schwieriger war – da war sie auf keinem sicheren Listenplatz –, verhehlt sie nicht.

Und in dem einen noch vor ihr stehenden Jahr will sie weiter ein „anstrengendes Gegenüber“ von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny sein. „Ich werde den Kulturverantwortlichen im Rathaus weiter auf die Finger schauen und vor allem den Dauerbrenner Vereinigte Bühnen weiterverfolgen.“ Ihre größten Erfolge in den letzten zehn Jahren? „Ich bin stolz darauf, dass wir den breiten Zugang zur Kultur auch für finanziell Schwache geschafft haben.“ Und in der Technologiepolitik habe sie auch einiges erreicht: „Es gäbe im Rathaus kein Linux ohne mein Zutun.“

Chefin von Public Netbase

Ringler wurde 1975 in Wien geboren. Ihr Großvater, so schreibt sie auf ihrer Homepage, war Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Sie studierte Soziologie und Politikwissenschaft; 1994 fing sie bei der Netzkulturinitiative Public Netbase zu arbeiten an, für die sie zwischen 1998 und 2000 auch als Geschäftsführerin fungierte.

Die politische Laufbahn begann 2001 im Gemeinderat, in dem sich Ringler bald als Kultursprecherin einen Namen machte.

Datenschützer Zeger kandidiert

Die technologieaffinen Themen, die Ringler in ihrer Arbeit betreute, könnten in Zukunft durch einen prominenten Quereinsteiger betreut werden: Hans Zeger, Obmann der „Arge Daten“, der Österreichischen Gesellschaft für Datenschutz, gab auf der Homepage der Wiener Grünen bekannt, dass er bei den internen Vorwahlen antreten wird. Sein Ziel: Der 54-Jährige will neue Gruppen ins „grüne“ Boot holen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.10.2009)

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