Turnierdirektor Herwig Straka will bei der BA-Trophy mit neuen Siegertypen statt lustlosen Stars punkten. Über den unverschämten Jux von Del Potro ist Straka immer noch erbost.
WIEN. Roger Federer hat zweimal in Wien gewonnen. Auch Tennis-Legenden wie Pete Sampras, Goran Ivanisevic, Boris Becker oder Ivan Lendl findet man auf der Siegerliste der Stadthalle. In der Vergangenheit schauten die Größen der Zunft gern in Wien vorbei, nicht nur des Startgeldes wegen. Wien genoss Ansehen, Österreich hatte bekannte Aushängeschilder wie Thomas Muster. Das Daviscup-Team war Stammgast in der Weltgruppe.
Die Gegenwart erlebt ganz andere „Auftritte“. Stars sagen für die BA-Trophy zu, kurz vor Turnierbeginn flattert das Fax mit der Absage ins Büro. Heuer machte sich der Argentinier Juan Martin Del Potro diesen unverschämten Jux. Zuerst hatte er keine Lust, nach einer Handverletzung erübrigten sich auch alle Diskussionen und Überredungsversuche.
Neoturnierdirektor Herwig Straka ist erbost. Obgleich er Del Potro nicht nachweine, dafür bleibe vor dem Auftakt der Qualifikation am Samstag auch keine Zeit, empfindet Straka das Verhalten als „geschäftsschädigend“. Immer öfter würden Einzelsportler trotz vertraglicher Zusicherung aus der Reihe tanzen. „Das schadet dem Image des Sports, das ist nicht nur ein Wien-Problem. Der Fan kann so ja keinem Veranstalter mehr trauen“, ärgert sich Veranstalter Straka, der derlei Mätzchen auch von Golfturnieren in Fontana oder Tennisturnieren in Stuttgart kennt. Als Ersatz für Del Potro wurde US-Open-Halbfinalist Marin Cilic verpflichtet. Straka, der erstmals neben Peter Feigl als Turnierchef auftritt, setzt darüber hinaus auf die Darbietungen von Jürgen Melzer oder Daniel Köllerer.
Skoff siegte 1988
Der letzte Heimsieg liege viel zu lange zurück, sagt Straka. 1988 triumphierte Horst Skoff, „21 Jahre des Wartens sind genug. Aber prophezeien kann man es nie.“ Dabei wäre just in Wien die Leistung eines Lokalmatadors von enormer Bedeutung – sie würde eine volle Halle garantieren.
Diese Fanbindung sei in Österreich derzeit aber nicht gegeben. Echte Siegertypen sind Mangelware. Spieler, wie sie einst Muster oder Skoff verkörperten, mit markanten Sprüchen und kräftigen Schlägen. „Der Zuschauer will nicht enttäuscht werden. Helden brauchen wir“, macht sich Straka Mut. Nur woher nehmen?
Die Welle der Euphorie schwappt in Österreich nur dann über, weiß Straka, wenn der Erfolg stimmt. Vor allem bei Länderspielen. „Das ist das Problem. Die Identifikation mit dem Daviscup-Team stimmt nicht, es ist nicht in der Elite etabliert.“ Auch die Streitereien von einst wären mit den Kindereien von heute nicht zu vergleichen. Trotzdem verstehe Straka nicht, „warum Köllerer nicht im Daviscup spielt. Muster und Skoff konnten es doch auch“. Die besten Spieler sollten aufschlagen, nicht die richtigen, lässt er vorsichtige Kritik am Österreichischen Tennisverband durchklingen.
Wien, sagt Straka, wird auch in Zukunft „ein bedeutendes Turnier haben“. Aus wirtschaftlicher Sicht aber wolle er das Event auf bessere finanzielle Beine stellen. Der Profisport sei eben ein freier Markt. Das Startgeld entscheidet, wo sich ein Spieler seine ATP-Punkte holt. Und am Ende einer langen Saison entscheidet oft auch, ob ein Spieler noch Geld verdienen will, kann oder muss.
AUF EINEN BLICK
■Die Bank Austria-Tennistrophy
beginnt in der Wiener Stadthalle am Samstag mit der Qualifikation. ■Die Nummer 1 der 24. Auflage ist der Kroate Marin Cilic, die Hoffnung ruht aber auch einmal mehr auf Jürgen Melzer.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.10.2009)