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Lufthansa baut Standort Wien aus

Pk Eurowings
(c) APA/dpa/Andreas Gebert (Andreas Gebert)
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Die Billigtochter Eurowings stockt in Wien um drei auf sechs Jets auf. Und die AUA erhält im März die erste der fünf Air-Berlin-Maschinen.

Frankfurt/Wien. Die Lücke, die sich infolge der Zerschlagung der Air Berlin und der geplanten Fusion von deren Tochter Niki mit der deutschen TUIfly heuer am Wiener Flughafen in Passagierzahlen-Rückgängen niederschlagen wird, dürfte sich rasch füllen. Und der Standort Wien dürfte sogar noch gestärkt werden. Dafür sorgt die AUA-Mutter Lufthansa: „Zu den drei schon in Wien stationierten Flugzeugen unserer Tochter Eurowings kommen drei weitere dazu“, sagte der für Eurowings verantwortliche Lufthansa-Vorstand Karl Ulrich Garnadt am Donnerstag zur „Presse“. Die Verdoppelung erfolge unabhängig von der Aufstockung der AUA-Flotte durch fünf Air-Berlin-Maschinen.

Am Montag hat das deutsche Bundeskartellamt der Lufthansa grünes Licht gegeben, 38 Jets inklusive Crews der schwer angeschlagenen Air Berlin zu übernehmen. Wie geplant, bekommt fünf die AUA. Mit dem Rest verstärkt die Lufthansa ihre Billigschiene Eurowings, die kräftig aufgerüstet wird. Ein Teil der neuen Flugzeuge wird alte Germanwings-Maschinen ersetzen, sodass die Eurowings-Flotte zum Jahresende bis zu 120 Jets umfassen wird. 2018 soll auch die komplett übernommene Brussels Airlines integriert werden.

 

Viele neue „Warmwasser-Ziele“

„Im Vorjahr haben wir Eurowings unter großen Anstrengungen aufgebaut, heuer sind Konsolidierung und Wachstum angesagt“, sagte Garnadt bei einer Telefonkonferenz. Dabei stünden drei Ziele im Vordergrund: Zum einen geht es um den Ausbau der Position auf dem Heimmarkt, wozu Garnadt neben den Standorten Köln, Stuttgart, Hamburg, Düsseldorf und München (neu ab Sommer) auch Wien zählt. Der rechtliche Sitz von Eurowings (AOC) ist schon in Österreich.

2018 soll auch der größte deutsche Flughafen, Frankfurt, dazukommen – bisher ein nahezu weißer Fleck für Billig-Airlines. „Bevor es ein anderer macht, machen wir es selbst“, spielte Garnadt auf die Konkurrenz der Ryanair an. Er selbst wird Anfang Mai das Ressort an Thorsten Dirks übergeben, weil er aus Altersgründen ausscheidet.

Zurück zur Ryanair: Die irische Gesellschaft, der die Lufthansa mit Eurowings Paroli bieten will, startet schon ab diesem Frühjahr trotz hoher Gebühren erstmals von Frankfurt.

Zum anderen weitet Eurowings das Angebot auf touristischen Strecken massiv aus. Das betrifft nicht nur Hamburg, sondern vor allem München, wo ab dem Sommerflugplan 30 neue „Warmwasser-Ziele“ angeboten werden. Eine weitere neue Basis wird Palma de Mallorca, wo vier Flugzeuge stationiert werden. „Wir machen nun ein Angebot, das wir so bislang nicht hatten“, erklärte Garnadt und verwies darauf, dass die Lufthansa künftig das touristische Feld nicht ausklammere.

Der dritte Punkt sind die Kosten: Das Ziel, bis 2020 die Stückkosten um 25 Prozent zu senken, bleibe aufrecht, betonte Garnadt. Heuer dürfte angesichts der Integrationskosten immerhin ein einstelliger Prozentsatz erreicht werden. Ebenfalls fix auf dem Plan bleibe, dass Eurowings heuer operativ in die Gewinnzone zurückkehrt. Dazu sollen auch die 23.000 zusätzlich angebotenen Flüge beitragen, die die Passagierzahl um drei auf rund 22 Millionen steigern sollen.

Die AUA wird, wenn alles nach Plan geht, den ersten der fünf Air-Berlin-Jets Anfang März bekommen, berichtete AUA-Sprecher Peter Thier der „Presse“. Der Rest erfolge schrittweise. Die Flugzeuge würden „so weit wie möglich“ zu einem AUA-Produkt, das heißt, sie werden umlackiert. Auch bei den Uniformen der Besatzungen soll sich etwas ändern.

 

600 neue Jobs bei der AUA

Auf den Personalstand hat der Flottenausbau unmittelbar keinen Einfluss, weil die Crews mitgemietet („Wet Lease“) sind. Aber die AUA wird die Maschinen nach Ablauf der Leasingverträge weiterfliegen wollen – dann mit eigenem Personal. Um Lücken aus der Vergangenheit zu füllen und aufgrund der Ausweitung des Streckennetzes hat die AUA im Vorjahr 450 neue Jobs vor allem für Piloten und Flugbegleiter geschaffen. Heuer kommen laut Thier 150 dazu. Heute startet der erste hauseigene Ausbildungskurs für Piloten. Die Theorie lernen die 23 Anwärter in Bremen, die Praxis in Arizona.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2017)

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