Massenfestnahme in Wien: 20 Tschetschenen wieder freigelassen

Symbolfoto
Symbolfoto(c) Die Presse/FABRY Clemens

Die Polizei hatte am Freitagabend 22 Tschetschenen auf der Wiener Donauinsel aufgegriffen, eine Maschinenpistole, zwei Pistolen und Munition beschlagnahmt.

Nach der Massenfestnahme von 22 Tschetschenen Freitagabend auf dem Donauinselplatz in Wien-Floridsdorf sind 20 von ihnen wieder auf freiem Fuß. Das gaben Polizei und Staatsanwaltschaft Wien am späten Sonntagnachmittag bekannt. Alle 22 wurden aufgrund der Beteiligung an einer kriminellen Organisation angezeigt.

Zwei Tschetschenen befanden sich am Sonntag noch wegen fremdenrechtlicher Angelegenheiten in Polizeigewahrsam. Laut Polizeisprecher Thomas Keiblinger hätten die beiden bereits ausgewiesen werden sollen. Alle 22 Beteiligten wurden nach Paragraf 278 StGB - Mitgliedschaft einer Vereinigung - auf freiem Fuß angezeigt.

Eine der von der Polizei sichergestellten Waffen - eine Pistole - konnte einem Verdächtigen zugeordnet werden, berichtete die Exekutive. Er wurde nach dem Waffengesetz angezeigt. Außerdem wurden zehn Hausdurchsuchungen des Landeskriminalamts Wien unter Beteiligung des Einsatzkommandos Cobra durchgeführt. Die Staatsanwaltschaft Wien bestätigte die laufenden Ermittlungen.

In welchen Bezirken diese stattgefunden haben und ob weitere Waffen gefunden wurden, dazu hielt sich die Polizei bedeckt. Auch ob die Männer bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten sind, wollte Keiblinger nicht kommentieren.

Hinweis aus der Bevölkerung

Die Wiener Polizei war nach einem Hinweis aus der Bevölkerung auf die Gruppe von Personen am Donauinselplatz aufmerksam gemacht worden. Das erfolgte Freitag kurz vor 20.45 Uhr. Insgesamt trafen zunächst drei Funkwagen der Wiener Polizei ein. Die Beamten befragten die Männer, was sie an dem Ort täten. "Man ginge spazieren", hieß es. Auch von einer Hochzeit war die Rede.

Die weiteren Ereignisse samt der Festnahme von insgesamt 22 Personen kamen in Gang, als ein Beamter eine Pistole fand. Jemand hatte sie offenbar im Schnee zu verstecken versucht. Schließlich wurde gar auch eine Maschinenpistole entdeckt. Dazu kam noch Munition. Die Wega-Einsatzgruppe der Polizei wurde gerufen.

Vermutlich Bandenrivalität

Die Massenfestnahme der Tschetschenen dürfte laut Innenministerium keinen terroristischen, sondern einen kriminellen Hintergrund haben. Demnach handle es sich um Bandenrivalität, hieß es am Samstag. Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) zeigte sich über die Mithilfe der Bevölkerung erfreut, die den entscheidenden Hinweis für den Zugriff lieferte.

(APA)