Das Kalkül der SPÖ: Die gebürtige Kroatin könnte die Migranten und deren Kinder ansprechen. Sie würde sich als glaubwürdige Integrationsbeauftragte sehr gut machen. Jukic selbst wiegelt allerdings ab.
WIEN. Kaum ist der Termin für die Wiener Gemeinderatswahl annähernd fixiert (3. oder 10. Oktober), laufen schon die ersten Spekulationen über Überraschungskandidaten und Quereinsteiger. Aufhorchen ließ nun Schwimmstar Mirna Jukic. Die Bronzemedaillengewinnerin bei der WM in Rom kokettierte am Dienstagabend im ORF-Sport mit ihrem Karriereende. „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“, meinte sie. Wann das genau sein soll, das könne sie aber noch nicht sagen. Sie möchte nun auf jeden Fall einmal ihr Studium fertig machen.
Vielleicht aber auch noch mehr. Denn seit Tagen hält sich hartnäckig das Gerücht, Jukic könnte für die SPÖ in die Wiener Wahl ziehen. Vertraute des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl sollen bei Jukic' Vater auch schon vorstellig geworden sein. Das Kalkül der SPÖ: Die gebürtige Kroatin könnte die Migranten und deren Kinder ansprechen. Sie würde sich als glaubwürdige Integrationsbeauftragte sehr gut machen.
Datenschützer will in Gemeinderat
Mirna Jukic selbst wiegelt im Gespräch mit der „Presse“ allerdings ab: „Also mit mir hat niemand gesprochen. Ich höre das zum ersten Mal.“ Sie könne sich nicht daran erinnern, sich in ihrem Leben schon jemals politisch geäußert zu haben, und sie habe das eigentlich auch in Zukunft nicht vor. „Ich habe genug anderes zu tun.“ Ganz so exotisch, wie es klingt, wäre der Wechsel vom Schwimmbecken in die Politik allerdings nicht – die Kurzbahneuropameisterin und Olympiafünfte Vera Lischka sitzt seit ihrem Karriereende 2003 für die SPÖ im oberösterreichischen Landtag.
Bei den Grünen macht sich unterdessen ein prominenter Quereinsteiger ganz offen Hoffnungen auf den Einzug in den Wiener Gemeinderat. Wie bereits in Teilen der gestrigen „Presse“ berichtet, wird Datenschützer Hans Zeger, Obmann der „Arge Daten“, bei den grünen Vorwahlen am 15. November kandidieren. Mit Chancen?
„Ich habe intern schon mit einigen Leuten gesprochen“, sagt der 54-Jährige im Gespräch mit der „Presse“, „und erwarte mir genügend Rückhalt, um an wählbare Stelle gesetzt zu werden.“ Als Schwerpunkte seiner möglichen Tätigkeit im Gemeinderat sieht er aber weniger Probleme des Datenschutzes, vielmehr betrachtet er die Bundesstaatsreform als sein wichtigstes Projekt: „Der Bund wird zwischen EU und den Ländern zerrieben. Wien und Niederösterreich blockieren extrem“, meint er, „und es wäre sinnvoll, hier ein bisschen Bewegung reinzubringen.“ Sollte er den Einzug in den Gemeinderat schaffen, will er seine Arbeit bei der „Arge Daten“ ruhen lassen: „Es ist an eine klare Trennung gedacht.“
Auch auf Bezirksebene – neben der Vertretung im Gemeinderat wird in den Wiener Bezirken gewählt – gab es schon Überraschungen. So wurde für den achten Bezirk Veronika Mickel als Kandidatin aus dem Büro von Vizekanzler Josef Pröll geholt. Die 31-Jährige soll für die Volkspartei den Bezirksvorsteher Heribert Rahdjian von den Grünen herausfordern und die bürgerliche Josefstadt zurückerobern.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2009)