Karl Stoss tritt am Donnerstag Leo Wallners ÖOC-Erbe an. Eine lange Diskussion um einen Nachfolger hat es im ÖOC nicht gegeben, Wallner selbst hat ihn nominiert. Präsentiert werden auch die neuen Strukturen und Statuten des ÖOC.
WIEN (wie-). Für das Österreichische Olympische Comité beginnt am Donnerstag Abend eine neue Zeitrechnung. Ein letztes Mal wird Langzeitpräsident Leo Wallner die Außerordentliche Hauptversammlung leiten, im Haus des Sports seinen Rücktritt offiziell verkünden. Damit beendet er eine Ära, um den Weg für einen ÖOC-Neubeginn zu ebnen.
Leo Wallner war im Zug der Aufarbeitung der Salzburger Olympiabewerbung für die Winterspiele 2014 ins Zwielicht geraten, letztlich ist er über die Finanzgebahrung und die Ungereimtheiten des Olympia-Fördervereins gestolpert. Nach fast 19 Jahren zieht er einen Schlussstrich und verabschiedet sich aus der olympischen Familie. Den Sitz im IOC aber will er behalten.
Eine lange Diskussion um einen Nachfolger hat es im ÖOC nicht gegeben, Wallner selbst hat ihn nominiert. Es handelt sich dabei um Karl Stoss. Der Generaldirektor der Casinos Austria hat keinen Gegenkandidaten, im Vorstand selbst soll Einigkeit herrschen. Auch die politischen Parteien, so hört man, haben sich auf den ÖOC-Präsidenten Stoss geeinigt. Und dies bereits vor längerer Zeit. Seine Wahl gilt deshalb als besiegelt. Stimmberechtigt sind 39 Mitglieder, acht davon haben bereits eine Wahlempfehlung für Stoss abgegeben.
Der Casinos-Generaldirektor, ein ehemaliger Schwimmer und Wasserballer, hat im Vorfeld der Außerordentlichen Generalversammlung keine Stellungnahme abgegeben, der 52-jährige Vorarlberger, ein passionierter Bergsteiger, will sich erst nach seiner Wahl den Medien stellen.
Präsentiert werden im Haus des Sports auch die neuen Strukturen und Statuten des ÖOC. „Wir haben das Rad nicht neu erfunden“, meint Herbert Hübel, Vorsitzender der Reformkommission, auf Anfrage der „Presse“. Der neue Vorstand wird bei der nächsten Sitzung in einem Monat gewählt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2009)