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Europas Kinder sind zu dick

Manch Ballast legt der Mensch sich schon in jungen Jahren zu
Manch Ballast legt der Mensch sich schon in jungen Jahren zudpa/apa
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Eine Langzeitstudie belegt den Trend zu Übergewicht bei Kindern. Mitgründe sind unter anderem Werbung für ungesunde Nahrung, zu wenig Schlaf und die Neigung speziell sozial niedrigerer und migrantischer Schichten zu schlechter Ernährung.

Man zeigt als Europäer beim Thema Übergewicht ja gern grinsend Richtung USA, aber man muss sich (gerade in Ostösterreich) nicht allzugenau umsehen, um zu erkennen, dass auch bei uns nicht eben das Land der Schlanken und Ranken ist. Und so zeigt dieser Tage wieder einmal eine unter deutscher Leitung in mehreren europäischen Ländern durchgeführte Langzeitstudie an Kindern, dass die Jugend des "alten" Kontinents schlicht und einfach zu dick, um nicht zu sagen fett ist.

"Die Häufigkeiten von Fettleibigkeit und Übergewicht bei europäischen Kindern verharren auf einem beispiellosen Niveau", sagt Studienkoordinator Wolfgang Ehrens vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemologie in Bremen. Deutschland belege dabei beim Anteil übergewichtiger Kinder noch einen Platz im Mittelfeld, dort waren 16,5 Prozent der untersuchten Kinder im Alter von zwei bis zehn Jahren übergewichtig. In Belgien - also interessanterweise in einem Land, das für üppige Kost und Schokolade bekannt ist und als Urquelle der Pommes frites gilt - lag der Anteil mit 9,5 Prozent am niedrigsten, in (Süd)Italien hingegen mit 42% am höchsten (so viel zur gesunden Mittelmeer-Diät). In allen Ländern waren Mädchen eher dickleibig als Buben.

Ausgeprägter Bewegungsmangel

Nicht einmal ein Drittel der Kinder bewege sich mindestens eine Stunde täglich, konstatierten die Wissenschaftler. Der Anteil schwanke zwischen nur zwei Prozent der Buben auf Zypern und 34 Prozent in Belgien. Der Bewegungsmangel hänge unter anderem eng mit der Bebauung des Lebensumfeldes zusammen: "Gut angelegte öffentliche Orte und sichere, gut angeschlossene Anlagen sind der Schlüssel dazu, die körperliche Bewegung zu steigern", heißt es.

Für Österreich lassen sich leider keine Aussagen treffen, weil die Studie nur acht Staaten unter die Lupe genommen hatte: Belgien, Zypern, Estland, Deutschland, Ungarn, Italien, Spanien und Schweden. In diesen Ländern wurden über viele Jahre hinweg mehr als 10.000 Kinder und ihr Familienumfeld beobachtet und ihre Entwicklung auch unter Rücksicht auf sozioökonomische Faktoren wie Einkommen und Bildungsniveau der Eltern miteinander verglichen.

So fand sich etwa auch erneut bestätigt, dass Kinder aus ärmeren Familien bzw. niedrigen Bildungsschichten besonders stark zu Übergewicht tendieren, das gelte generell auch für Kinder mit außereuropäisch-migrantischem Hintergrund. Es fanden sich auch Hinweise auf einen Zusammenhang von wenig Schlaf und erhöhtem Gewicht. Gerade in vielen orientalisch-migrantischen Kulturen gehen Kinder vergleichsweise spät zu Bett, müssen aber wegen Schule oder Kindergarten dennoch ähnlich früh aufstehen wie ihre europäischen Kameraden.

Mangelhaft gebildete Eltern, dicke Kinder

Generell hätten die beobachteten Kinder im Schnitt viel zu energiereiche, also fette und/oder kohlehydratreiche Nahrung zu sich genommen. Das liege auch an der Werbung der Lebensmittelindustrie: Speziell auf Kinder zugeschnittene Werbung für zucker- und fettreiche Lebensmittel sollte nach Ansicht der Studienautoren stärker reguliert werden. Generell fördere TV-Werbung bei Kindern (auch im Umweg über die Eltern) den Konsum speziell ungesunder Lebensmittel. "Vor allem kleine Kinder können Werbung nicht vom Rest unterscheiden und sind ihr daher schutzlos ausgesetzt", sagt Ahrens, zumal Eltern mit eher niedrigem Bildungsstand Reklame gegenüber weniger kritisch eingestellt seien.

Diverse freiwillige Selbstverpflichtungen der Hersteller zu einer verantwortungsvollen Werbung für Kinder hätten bisher nicht funktioniert, betont der Bericht. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) appelliert seit längerem an die europäischen Regierungen, Werbung mit Gesetzen strenger zu regulieren.

>>> Link zur Studie

(apa/dpa/red.)