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FMA wäscht die Voestalpine rein

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SymbolbildAPA/HANS KLAUS TECHT
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Der Linzer Stahlkonzern habe korrekt über die Kostenexplosion beim US-Werk informiert, sagt die Finanzmarktaufsicht. Konzernchef Eder hält – trotz Trump – am Ausbau in Nordamerika fest.

Linz/Wien. Vor knapp zwei Wochen gingen in der Linzer Konzernzentrale der Voestalpine die Wogen hoch. Erst musste das Unternehmen öffentlich einräumen, dass die jüngst eröffnete Direktreduktionsanlage in Texas statt budgetierten 550 Millionen Euro mit einer knappen Milliarde zu Buche schlagen wird. Und gleich danach hatte der Konzern auch noch die Finanzmarktaufsicht am Hals. Die Voestalpine habe seine Aktionäre nicht früh genug über die rasante Kostensteigerung informiert, so die Vermutung. Erste Untersuchungen wurden gestartet und schnell kursierten Medienberichte, die der Voest „hohe Strafen“ prophezeiten.

Nicht gerade angenehm für ein börsenotiertes Unternehmen, das sich angesichts der aktuellen Quartalszahlen (der Gewinn nach Steuern schrumpfte in den ersten neun Monaten um ein Drittel, siehe Kasten) ohnedies müht, seine Anleger weiter für sich zu begeistern.

Werk in Mexiko wird gebaut

Zumindest ein Problem ist die Voestalpine seit Kurzem aber los: „Gemäß Auskunft der FMA vom 6. Februar 2017 wurde die routinemäßige Prüfung der Informationen der Voestalpine in Zusammenhang mit dem Projekt 'HBI-Anlage Corpus Christi' abgeschlossen. Diese Prüfung hat zu keinerlei Auffälligkeiten geführt, wodurch die Untersuchung der FMA beendet wurde. Die Voestalpine hat demnach in Einklang mit allen börsengesetzlichen Bestimmungen gehandelt und auch keine Pflicht zur Schaltung einer Ad-hoc Mitteilung verletzt“, vermeldete Konzernchef Wolfgang Eder am Donnerstag. Der Verdacht des Marktmissbrauchs oder der unkorrekten Informationspolitik ist damit vom Tisch.

Die Probleme in den USA bleiben jedoch bestehen. Dabei spielt die Kostensteigerung für das Werk in Corpus Christi nur eine untergeordnete Rolle. Viel stärker beeinflussen die Ankündigungen des neuen US-Präsidenten Donald Trump den Expansionsplan der Linzer in Nordamerika. Der Nafta-Raum – USA, Mexiko und Kanada – gilt für die Voest als Hoffnungsmarkt. Wachstum und Margen sind hier deutlich höher als etwa in Europa. Führt Trump, wie angekündigt, hohe Importzölle ein, könnte das die Geschäfte des Unternehmens in Nordamerika kräftig eindämmen. So plant die Voest etwa ein neues Werk in Mexiko, um von dort aus Automobilteile (auch) in die USA zu liefern. Überlegungen, die Investition in die Komponenten-Fertigung in Aguascalientes angesichts dieser Aussichten zu stoppen, schiebt Eder beiseite: „Wir glauben nicht, dass die USA die Grenzen zu Mexiko in der angedachten Form dichtmachen werden“, sagte er. Denn dieser Schritt würde auch viele amerikanische Firmen zu hart treffen.

Investitionen werden gestutzt

Das Werk in Aguascalientes soll daher wie geplant im kommenden Jahr gebaut werden. Auch die eigens im Konzern eingerichtete „Task Force USA“ sehe „derzeit keinen Grund, die Investitionspläne zu revidieren.“ Komplett abhängig von den USA wäre die Fabrik ohnedies nicht. Nur ein Drittel der Produktion geht planmäßig über die amerikanische Grenze. Der Rest werde in alle Welt geliefert. Entschieden wird die Zukunft der neuen Produktionsstätte aber ohnedies nicht in Linz. Ziehen sich die deutschen Premiumautohersteller aus Mexiko zurück, wird auch die Voest mit ihren Kunden abwandern.

Abseits von Nordamerika steigt die Voestalpine aber auf die Kostenbremse. Die Investitionen werden von 1,3 Milliarden Euro im Vorjahr auf 800 Millionen im kommenden Jahr gestutzt. Das soll auch helfen, den Verschuldungsgrad von derzeit 61,2 Prozent auf 55 Prozent zu drücken. Heuer machten dem Unternehmen vor allem hohe Rohstoffkosten zu schaffen. Die Voestalpine baut darauf, dass nun auch die Stahlpreise nachziehen werden und die Öl- und Gasindustrie langsam wieder auf die Beine kommen.


[NBD6F]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2017)