Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Berlin: Kopftuchtragende Lehramtsbewerberin siegt vor Gericht

Etappensieg des Kopftuchs in Deutschland
Etappensieg des Kopftuchs in Deutschland(c) imago/epd (imago stock&people)
  • Drucken

Die Klägerin hatte erklärt, sie trage das Kopftuch aus religiösen Gründen und wolle das auch in Volksschulen tun. Das Land Berlin lehnte darauf ihre Einstellung ab. Eine Berufungsrichterin gab ihr nun indes Recht und kippte das Ersturteil: Es liege nämlich keine konkrete Gefährdung des Schulfriedens vor.

Den Rechtsstreit um das Kopftuchverbot für Volksschullehrerinnen in Berlin hat eine muslimische Lehramtsbewerberin vorerst gewonnen. Am Donnerstag gab ein Arbeitsgericht ihrer Entschädigungsklage gegen das Land Berlin Recht, das sie wegen ihres offen religiös motivierten Kopftuchs nicht eingestellt hatte. Der Fall in Deutschland spielt auch in der österreichischen Diskussion eine Rolle.

Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg entschied laut Kathpress-Bericht vom Donnerstag, das Land habe die Klägerin dadurch benachteiligt. Es erkannte ihr eine Entschädigung in Höhe von zwei Monatsgehältern brutto (immerhin 8680 Euro) zu. In dem Berufungsverfahren hob das Landesarbeitsgericht ein anderslautendes Urteil der Vorinstanz teilweise auf. Gegen sein Urteil ließ das Landesarbeitsgericht die Revision beim Bundesarbeitsgericht zu.

Muslimin laut Richterin "unmittelbar benachteiligt"

In der Urteilsbegründung führte die Vorsitzende Richterin, Renate Schaude, aus, in dem Bewerbungsverfahren habe die Schulbehörde die Klägerin "unmittelbar benachteiligt", weil sie das Kopftuch auch im Unterricht an einer Grundschule (Volksschule) tragen habe wollen. Der Verweis auf das Berliner Neutralitätsgesetz sei in diesem Fall nicht angemessen gewesen. Es verbietet bestimmten staatlichen Bediensteten wie Lehrkräften an Grundschulen das Tragen auffallender religiöser Kleidung und Symbole bei der Arbeit.

Das Gesetz sei jedoch so auszulegen, dass es nur bei einer "konkreten Gefährdung des Schulfriedens" angewendet werde, so die Richterin. Sie berief sich dabei auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Jänner 2015: Die Karlsruher Richter hatten entschieden, dass ein pauschales Kopftuchverbot nicht mit der grundgesetzlich garantierten Religionsfreiheit vereinbar sei. Eine konkrete Gefährdung des Schulfriedens durch das Kopftuch der Klägerin sei jedoch nicht zu befürchten gewesen, so Schaude. Dies sehe auch das Land Berlin so.

Das Landesarbeitsgericht hob mit seiner Entscheidung ein Urteil der Vorinstanz teilweise auf. Das Arbeitsgericht Berlin hatte im April 2016 die Entschädigungsklage zurückgewiesen. Nach dessen Auffassung verstieß die Ablehnung der Klägerin durch die Schulbehörde nicht gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Dessen Entscheidung von 2015 sei auf Nordrhein-Westfalens Schulgesetz abgestellt gewesen. Im Unterschied dazu sehe die Berliner Regelung jedoch "keine gleichheitswidrige Privilegierung zugunsten christlich-abendländischer Bildungs- und Kulturwerte oder Traditionen" vor.

Land will Klägerin weiter von Volksschulen fernhalten

Vor dem Landesarbeitsgericht bekräftigte ein Vertreter der Schulverwaltung das Angebot, mit der Klägerin den üblichen Arbeitsvertrag für Lehrkräfte abzuschließen. Der Vertrag sieht keinen Einsatz in bestimmten Schularten vor. Zugleich bestätigte der Senatsvertreter, dass eine Lehrtätigkeit mit Kopftuch in Volksschulen ausgeschlossen bleibe. Die Klägerin könne jedoch an Berufsschulen und Einrichtungen des Zweiten Bildungsweges unterrichten. Dies lehnte die Klägerin über ihre Rechtsvertreter ab.

(dpa)