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Novomatic setzt aufs Ausland

Novomatic: eine halbe Milliarde Euro für Zukäufe – pro Jahr.
Novomatic: eine halbe Milliarde Euro für Zukäufe – pro Jahr.(c) HERBERT PFARRHOFER / APA / picturedesk.com (HERBERT PFARRHOFER)
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Mit dem Einstieg bei der Casinos Austria hat es für Novomatic nicht nach Wunsch geklappt. Jetzt konzentriert sich der Glücksspielkonzern auf die Expansion im Ausland.

London. „Wir hätten es uns anders gewünscht, aber es ist anders gekommen, und so, wie es ist, ist es okay.“ Der ursprünglich geplante große Einstieg bei der Casinos Austria hat aus kartellrechtlichen Gründen nicht geklappt. Für Novomatic-Chef Harald Neumann ist das kein Grund, sich zu ärgern: Mit den 17,2 Prozent bei der Casinos und den 12,5 Prozent bei der Casinos-Tochter Lotterien habe man auch mit zwei Aufsichtsräten zwar wenig Mitsprache, „wir werden aber unser Know-how einbringen“.

Umso mehr gibt der Glücksspielkonzern im Eigentum von Gründer Johann F. Graf im Ausland Gas. „Seit 2009 haben wir 150 Zukäufe getätigt, allein im vergangenen Jahr rund 20 und haben dafür 500 Millionen Euro investiert“, sagte Neumann am Mittwochabend bei der Glücksspielmesse ICE in London. In diesem rasanten Tempo soll es in den nächsten Jahren weitergehen: Pro Jahr will die Novomatic rund eine halbe Milliarde Euro für Akquisitionen ausgeben.

Der letzte große Fisch ging in Australien ins Netz: Mit der mehrheitlichen Übernahme des Automatenherstellers Ainsworth eröffnet sich für die Novomatic nicht nur der pazifische Markt, sondern vor allem der US-amerikanische. Dort soll über die neuen Partner aus Sydney der Vertrieb von Spielautomaten ausgerollt werden.

Der Konzern betreibt in 80 Ländern 250.000 Spielautomaten – entweder selbst in 1900 Salons oder als Vermieter an andere Anbieter. Einer der Kernmärkte, auf die sich Novomatic in Hinkunft konzentrieren will, sind die USA. „Wir haben einen Strategieschwenk vollzogen“, betonte Neumann. Früher seien Österreich, Deutschland und Osteuropa im Mittelpunkt gestanden. Jetzt sei es nach wie vor Deutschland, obwohl sich durch gesetzliche Änderungen im Automatenspiel der Markt stark ändert.

 

Troubles in Deutschland

Von den 150.000 Automaten, die die Novomatic in Deutschland stehen hat, dürften infolge schärferer Regelungen ein Drittel wegfallen. Deshalb konzentriert man sich jetzt auf eigene Spielhallen und kauft dazu. Daneben stehen Großbritannien, Spanien und Italien – und eben die USA – im Fokus. In Spanien hat man schon zwei große Casinos und rund 100 kleinere Salons in Madrid, in Italien ist die Novomatic der größte Anbieter von Video-Lotterie-Terminals (VLT) – das sind Automaten, bei denen sich der Zufallsgenerator nicht im Gerät, sondern auf einem externen Server befindet.

 

Beliebte Onlinespiele

Ein immer größerer Cashgenerator sind Onlinespiele, die selbst oder von eigenen Tochterfirmen entwickelt und auch in Lizenz vergeben werden. In diesem Sektor gebe es fast keine Grenzen, meinte Technik-Chef Thomas Graf, Sohn des Gründers.

Spieler können etwa mit einem einzigen Konto auf mehreren Geräten – etwa auch am Handy – spielen. Auch die scharfe Zugangskontrolle in Spielsalons mittels Fingerprints ist voll digitalisiert. Auf offenen Plattformen können auch Spiele von externen Anbietern angeboten werden.

Ein weiteres Standbein, das massiv ausgebaut wird, sind Wetten und seit Neuestem Lotto. Dazu wurde gerade mit der griechischen OPAP, dem viertgrößten Lottoanbieter weltweit, ein Vertrag geschlossen. Die Novomatic bietet die elektronische Plattform für die Lottospiele. An der OPAP ist die tschechische Sazka-Gruppe beteiligt, die nach einem heftigen Machtkampf mit der Novomatic um die Casinos Austria nun mit 34,05 Prozent der größte Casinos-Aktionär ist.

„Mit diesem Bestand sind wir unter den Top drei Unternehmen weltweit und wollen diese Position weiter ausbauen“, umreißt Neumann das Ziel. Immerhin: 2016 wurde die Vier-Milliarden-Euro-Umsatzmarke geknackt, was einem Plus von rund zehn Prozent entspricht. Der Gewinn stieg, allerdings nicht im gleichen Ausmaß.

2015 verdiente der Konzern 220,7 Millionen Euro. Nur vier Prozent des Umsatzes werden in Österreich erwirtschaftet. Der Konzernsitz, an dem rund 3000 Mitarbeiter arbeiten, soll dennoch auf absehbare Zeit in Gumpoldskirchen bleiben. Denn: „Wir stehen zu Österreich.“

Compliance-Hinweis:
Die Autorin war auf Einladung der Novomatic bei der Glücksspielmesse ICE in London.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2017)