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Tagung: Vorbild für Islamunterricht gesucht

Debatte: Was Österreich von anderen Ländern lernen kann – und umgekehrt.

WIEN.Islamischer Religionsunterricht, das sollte mehr sein als nur die reine Beschäftigung mit den Texten aus dem Koran, sagt Ednan Aslan. Der Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Wien sieht die größte Herausforderung darin, den Unterricht so zu gestalten, dass das gemeinsame Leben und Zuhören im Mittelpunkt steht – und das Kennenlernen und Respektieren anderer Religionen. Gerade in Europa sei dies angesichts der wachsenden Zahl an Muslimen in der Schule besonders wichtig.

Dabei nehme Österreich schon eine Art Vorbildfunktion ein: „Wir haben eine Infrastruktur, die uns die freie Auseinandersetzung mit diesen Themen ermöglicht“, so Aslan. In anderen Ländern gebe es noch große Probleme, den Unterricht weg vom textorientierten Lernen, wie er in vielen Moscheen gehandhabt wird, und hin zu lebensnaher Ausbildung mit theologischem Fundament, zu führen.

 

Multireligiöser Unterricht

Solchen Ländern bei genau dieser Transformation zu helfen, ist ein wichtiges Ziel der Tagung „Islamische Bildung in Südosteuropa“, die von heute, Freitag, bis Sonntag im Großen Festsaal der Universität Wien abgehalten wird.

Gleichzeitig wollen die Veranstalter aber auch ihre Bereitschaft zeigen, von Erfahrungen anderer Länder zu lernen. So wird etwa in Sarajevo bereits ein multireligiöser Religionsunterricht als Projekt angeboten – ein Modell, das Vorbildwirkung für das österreichische Schulsystem haben könnte.

Aber auch aus den Erfahrungen der bosnischen Muslime mit dem multireligiösen Zusammenleben in Jugoslawien – und wie die Theologie auf den Krieg und den Zerfall des Vielvölkerstaats reagiert – will man Erkenntnisse ziehen und auf die österreichische Situation umlegen.

Bei der Tagung werden unter anderem Mustafa Ceric, das geistige Oberhaupt der bosnischen Muslime, zahlreiche Vertreter aus Serbien, Kroatien, Montenegro, Albanien, Rumänien, Bulgarien, Slowenien, aber auch aus dem Kosovo und der Türkei anwesend sein, um gemeinsam an Modellen zu arbeiten, wie Religionsunterricht zum Zusammenleben beitragen kann. Und um, wie Ednan Aslan meint, die religiöse Bildung als einen Teil der Bildung zu begreifen – denn ohne Bildung sei die Religiösität auf einem riskanten Fundament aufgebaut.

http://islamiceducationinsee.univie.ac.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2009)