Die Finanzlobby setzt sich durch. Für riskante Geschäfte sind keine strengen Auflagen geplant. Im zweiten Quartal wurden 100 Mrd. Euro neu in Hedgefonds investiert. Sie verwalten nun ein Vermögen von 1500 Mrd. Euro.
Wien/Brüssel (Reuters/red.). Im Zuge der Finanzkrise waren Hedgefonds weltweit in die Kritik geraten. Politiker nannten die hochriskanten Finanzprodukte „Teufelszeug“. Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers forderten im Vorjahr die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrieländer (G20), dass Hedgefonds eingeschränkt werden müssen.
Ende April legte die EU-Kommission Vorschläge vor. Geplant war etwa eine Aufsicht von Hedgefonds. Auch sollte es strengere Regeln geben, um die Hebelwirkung des Kapitals (ein höherer Fremdkapitalanteil soll die Rendite des eingesetzten Kapitals erhöhen) zu begrenzen. Das würde die Erträge nach unten drücken, die Hedgefonds aber sicherer machen.
Hatten Hedgefonds in Boomzeiten zweistellige Renditen abgeworfen, so wendete sich dieses Bild in der Krise. Der Global Hedge Fund Index, der die Leistung der Hedgefonds anzeigt, stürzte dramatisch ab. Investoren zogen ihre Gelder ab, Fonds verschwanden vom Markt. Inzwischen hat sich die Lage stabilisiert. Im zweiten Quartal wurden 100 Mrd. Euro neu in Hedgefonds investiert. Sie verwalten nun ein Vermögen von 1500 Mrd. Euro. Vor der Krise waren es allerdings noch 1900 Mrd. Euro.
Kreditfinanzierung doch nicht begrenzt
Mit den Zuflüssen kehrte auch das Selbstbewusstsein zurück. Die Finanzlobby setzte sich gegenüber der EU durch: Die schwedische Ratspräsidentschaft will den Gesetzesentwurf zur Regulierung von Hedgefonds wieder aufweichen. Das Ausmaß der möglichen Kreditfinanzierung soll nun doch nicht begrenzt werden. Lediglich in Einzelfällen soll die Finanzaufsicht, die die Fonds überwachen soll, Grenzen setzen. Auch Fondsmanagern aus Drittstaaten soll der Zugang in die EU nicht erschwert werden. Schweden kommt damit den Forderungen Großbritanniens entgegen, dürfte aber auf Widerstand aus Frankreich stoßen, das sich noch strengere Regeln wünscht als die bisher vorgeschlagenen. Auch Deutschland ist für eher strikte Regeln.
Unterschiedliche Strategien
Mit „Hedging“ versucht man eigentlich, sich gegen Kurs-, Währungs- oder Preisschwankungen abzusichern. Hedgefonds spekulieren aber mit fremdem Geld auf Kursentwicklungen. Dabei können sie ein Vielfaches an Gewinnen, aber auch an Verlusten einstreifen. Sie arbeiten unter anderem mit der „Long-Short“-Strategie (gute Aktien werden gekauft, Aktien mit schlechten Aussichten leer verkauft). Sie setzen auf Kursschwankungen, profitieren von Übernahmen, „retten“ in die Krise geratene Firmen oder kaufen und verkaufen zeitgleich Wertpapiere an verschiedenen Börsen zu unterschiedlichen Preisen („Arbitrage“).
Für Privatanleger kommen meist nur Dachhedgefonds infrage, die in mehrere Hedgefonds mit verschiedener Strategie investieren. Diese gelten als vergleichsweise sicher, werfen aber auch nicht so viel ab.
AUF EINEN BLICK
■Für Hedgefonds soll es doch keine so strengen Regeln geben wie geplant. So soll das Ausmaß der möglichen Kreditfinanzierung nicht generell begrenzt werden. Lediglich in Einzelfällen soll die Finanzmarktaufsicht, die die Fonds überwachen soll, Grenzen setzen. Das geht aus einem Papier der schwedischen EU-Ratspräsidentschaft hervor.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2009)