Karl Stoss wurde einstimmig zum neuen ÖOC-Präsidenten gewählt. Der 52-jährige Vorarlberger hat Großes vor: Statuten und Marketing sollen verbessert werden.
WIEN (finne). „Das ÖOC muss wieder den Sportlern dienen, nicht sie uns. Der Sportler muss wieder im Vordergrund stehen." Schon in seiner Antrittsrede zeigte Karl Stoss, der am Donnerstag im „Haus des Sports" einstimmig zum neuen ÖOC-Präsidenten gewählt wurde, dass im Österreichischen Olympischen Komitee ab sofort ein neuer Wind weht. Damit scheinen Diskussionen diverser Funktionäre, wer denn bei der Eröffnungsfeier zuerst einmarschieren dürfe - ein Vorstandsmitglied oder doch der Athlet - heitere Olympiageschichte.
Weitere „Finanzleichen"?
Der 52-jährige Vorarlberger Stoss wurde von allen 38 anwesenden Verbänden als Nachfolger von Leo Wallner bestätigt. Und er hat Großes vor, schließlich gilt es, Weichen in eine sichere Zukunft zu stellen. Dafür bedarf es Reformen, neuer Strukturen, Statuten und eines neuen Vorstandes. Der soll bis zur Hauptversammlung am 3. Dezember feststehen. „Ich will nichts übers Knie brechen", sagt Karl Stoss, „aber auch nicht bis zum St. Nimmerleinstag warten. Und noch etwas: Ich habe einen absoluten Kassasturz empfohlen. Ich will alles, sämtliche Finanzen geprüft wissen."
Ob Stoss weitere „Finanzleichen" im Keller vermutet? Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt weiterhin in der Causa rund um Salzburgs Förderverein und das Verschwinden von 150.000 €.
Ein Dorn im Aug' ist Karl Stoss auch das ÖOC-Marketing. Das müsse man anders aufstellen, die Marke „Olympia müsse in Österreich strahlen", setzt er sich ein deutliches Ziel. Das ÖOC müsse neue Sponsoren gewinnen, oder alte wieder neu mobilisieren.
Wallner stiller Rückzug
Der Elan, mit dem Stoss in sein Amt startet, imponiert Sport-Minister Norbert Darabos. Er finde es richtig, dass Stoss alle Altlasten aufdecken und beseitigen wolle. Und gut sei es, dass er dabei auch vor personellen Konsequenzen nicht zurückschrecke. Dass allerdings einige zuvor zurückgetretene Vorstandsmitglieder auch im neuen ÖOC-Vorstand sitzen dürften, empfindet Darabos nicht als störend. „Kassiere und Rechnungsprüfer werden sicher andere sein. Da gibt es doch Handlungsbedarf. Ich sehe mit Stoss die Chance auf den richtigen Neuanfang im ÖOC."
Während Stoss und Darabos Interviews gaben, zog sich der scheidende ÖOC-Präsident still zurück. So wie Leo Wallner neunzehn Jahre lang gearbeitet hat, beendete er alles. Schnell, diskret - diplomatisch wie immer.