Geplanter Opel-Verkauf schreckt deutsche Regierung auf

GM-Chefin Mary Barra
GM-Chefin Mary BarraAFP (SAUL LOEB)

GM-Chefin Mary Barry und Opel-Aufsichtsratschef Dan Ammann informieren heute in Rüsselheim über den möglichen Verkauf von Opel an Peugeot. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht tausende Opel-Jobs gefährdet.

Der geplante Verkauf des Autobauers Opel an Peugeot löst in der deutschen Regierung Sorge um die deutschen Standorte aus. "Das Bundeskabinett hat heute das Thema Opel intensiv diskutiert", sagte Arbeitsministerin Andrea Nahles am Mittwoch in Berlin. Oberste Priorität habe die Sicherung der drei Opel-Standorte in Deutschland.

Sie forderte die Leitung des Mutterkonzerns General Motors auf, dringend das Gespräch mit dem Opel-Betriebsrat zu suchen. GM-Chefin Mary Barra und Aufsichtsratschef Dan Ammann seien bereits zu Gesprächen mit dem Opel-Team in der Zentrale in Rüsselsheim eingetroffen, erklärte ein Sprecher des Unternehmens. Auch der Chef der französischen Peugeot-Gruppe PSA, Carlos Tavares, plant einem Firmensprecher zufolge Treffen auf oberster Ebene. Dies schließe auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel ein.

Opel betreibt auch in Wien-Aspern ein großes Motoren- und Getriebewerk.

Der US-Autobauer will Opel nach jahrelangen Verlusten an Peugeot verkaufen. GM verhandle über eine Zusammenlegung seiner deutschen Tochter mit dem französischen Konkurrenten, erklärten beide Konzerne. Zwei mit der Situation vertraute Personen sagten, die Gespräche seien fortgeschritten.

Kahlschlag befürchtet

Ehemalige Betriebsräte von Opel befürchten einen Kahlschlag: "Da tun sich zwei zusammen, die das Gleiche produzieren, den gleichen Markt abdecken und wahrscheinlich Überkapazitäten haben. Da werden mit Sicherheit Werke auf der Strecke bleiben, und das werden mit Sicherheit keine französischen Werke sein", prophezeite Rainer Einenkel, früher Betriebsratschef des mittlerweile geschlossenen Opelwerks in Bochum.

Klaus Franz, bis 2011 Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei Opel, sieht vor allem die Werke in Eisenach und in Kaiserslautern in Gefahr. "Die französischen Gewerkschaften werden sich von ihren deutschen Kollegen nicht in die Suppe spucken lassen." Die Überkapazitäten lägen in Deutschland. "PSA hat in den vergangenen Jahren 10.000 Arbeitsplätze abgebaut und ein großes Werk bei Paris dicht gemacht", gab er im Gespräch mit Reuters zu bedenken.

Opel beschäftigt europaweit 35.600 Mitarbeiter, davon 18.250 in Deutschland. Am Hauptstandort in Rüsselsheim arbeiten 14.180 Menschen, die Werke in Kaiserslautern und Eisenach sind mit 2.130 beziehungsweise 1.850 Mitarbeitern wesentlich kleiner.

Um die Fabrik in Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz sorgt sich auch der Wirtschaftsminister des Landes, Volker Wissing. "Wir sind so aufgestellt, dass wir ein klares Bekenntnis zur deutschen Marke erwarten und auch zu den deutschen Standorten", sagte er im Deutschlandfunk. Er wolle alles tun, um den Opel-Standort Kaiserslautern dauerhaft zu sichern. Eine klare Zusage für Investitionen in die deutschen Betriebe forderte auch der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Bernd Westphal vom Käufer Peugeot. Im Gespräch mit Reuters kritisierte er die Informationspolitik der Autokonzerne als "grottenschlecht". Die Übernahme selbst könne durchaus Sinn ergeben, zumal GM die Standorte in Deutschland in der Vergangenheit alles andere als großzügig behandelt habe.

Zum Europa-Geschäft von GM gehört auch die Opel-Schwestermarke Vauxhall in Großbritannien. Auch die britische Regierung hat wegen des Verkaufsplans Kontakt zu dem US-Autobauer aufgenommen. Die Regierung in London habe ihre Sorge zum Ausdruck gebracht, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Die Marke Vauxhall hat 4.500 Beschäftigte in zwei Werken in Liverpool und Luton.

Opel schreibt seit 1999 Verlust. Zusammen mit Vauxhall belief sich der Fehlbetrag im vergangenen Jahr auf 257 Mio. Euro. Wie das deutsche "Manager Magazin" berichtete, sah Opel-Chef Karl-Thomas Neumann die Gefahr, dass der Autobauer die steigenden Investitionen sowohl in Elektroautos als auch in Verbrennungsmotoren nicht stemmen könnte. Er habe deshalb an einem Plan gearbeitet, Opel komplett auf Elektroautos umzustellen. Ein Opel-Sprecher wollte das nicht kommentieren.

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