Wie Trumps Handshake zum Politikum wird

Das Foto von Kanadas Premier Trudeau im Oval Office ging um die Welt.
Das Foto von Kanadas Premier Trudeau im Oval Office ging um die Welt.APA/AFP/SAUL LOEB

Ein ungewöhnlicher Händedruck und grelle, überlange Krawatten: Das Auftreten des US-Präsidenten sorgt für Aufmerksamkeit im Netz. Nun haben Kommentatoren Trumps Körpersprache unter die Lupe genommen.

Egal, ob seine Frisur, seine Meldungen auf Twitter oder seine Familie - es scheint, als ob jeder Aspekt von Donald Trumps Leben unter die Lupe genommen wird. Zuletzt war es seine Körpersprache, die international für Gesprächsstoff sorgte: So erlangte Trumps "Handshake", nach seinem Treffen mit Japans Premierminister Shinzo Abe in Washington Berühmtheit. Ganze 19 Sekunden lang schüttelten die beiden die Hände, was nachher zu einer fast ebenso ungewöhnlichen Grimasse des Japaners führte - mit einer Mischung aus Erleichterung und Schock wandte sich Abe danach ab.

Das Zusammentreffen zwischen den beiden Staatschefs ist nur eines von wenigen Beispielen Trumps ungewohntem Handschlag. Das beweist mehrere Jahre altes Filmmaterial von vergangenen Auftritten, in denen Trump eine Fülle von Gesprächspartnern so begrüßte. Der neue US-Präsident geht immer nach dem gleichen Muster vor: Oft zieht er die Hand seines Gegenübers ruckartig zu sich. Bei Trumps Nominierung von Neil Gorsuch für das Höchstgericht war dies so kräftig, dass Gorsuch nach vorne kippte und fast das Gleichgewicht verlor.

Manchmal endeten diese “Trump Pumps”, wie sie der Kolumnist des britischen "Telegraph", Rupert Myers, getauft hat, darin, dass der New Yorker Milliardär die Hand seines Gesprächspartners kurz auf seine Brust legt. Andere Male tätschelt Trump die Hand seines Gegenübers mit seiner freien Hand, wie zum Beispiel bei dem Empfang der britischen Premierministerin Theresa May. Dieses ungewöhnliche Verhalten hat die auch die Aufmerksamkeit politischer Kommentatoren und von Internetnutzern auf sich gezogen. Nur der kanadische Premier schien sich Trumps Handschlag widersetzen zu können - und wurde damit zum viralen Hit. Aber was sagt Trumps Art, Hände zu schütteln, eigentlich über ihn aus?

Kanadas Premier Trudeau legte seine linke Hand auf Trumps Schulter - und entging damit dem "Trump Pump".
Kanadas Premier Trudeau legte seine linke Hand auf Trumps Schulter - und entging damit dem "Trump Pump".REUTERS/Carlos Barria

"Hypermaskuline Stärkedemonstration"

Die Wurzeln des Händeschüttelns, ein Brauch der Jahrtausende zurück geht und schon auf griechischen Reliefs zu sehen ist, sind unklar. Eine der populärsten Theorien sieht es als Friedensbeweis: Wer die Hand gibt, trägt keine Waffen (Die würde man meist in der rechten Hand halten.). Trumps Händedruck jedoch, solle Kontrolle und Zuversicht vermitteln, sagt der Körpersprachenexperte Darron Stanton dem britischen "Independent". Trump möchte damit dem anderen seine Dominanz verdeutlichen. Ulrich Sollman, ebenfalls Experte in diesem Gebiet, ist gleicher Meinung. Der US-Präsident ziehe seine Gesprächspartner durch das Händeschütteln in seine Einflusssphäre, sagt er gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Sein Gegenüber könne damit nicht über Distanz und Nähe zu Trump bestimmen. So kontrolliere Trump schon von Beginn an die Situation.

Diesem stimmt auch Rupert Myers im "Telegraph" zu und setzt noch eins auf: Trumps Händedruck zeige, dass er in Wahrheit unsicher sei. Trump wolle unbedingt dominant erscheinen. Er sei damit einer jener unsicheren Männer, die sich an Ratgeber über die Schlüssel zu Erfolg, Macht und Selbstvertrauen wandten - und darin zwei Ratschläge fänden, schreibt Myers ironisch: Man solle grelle Krawatten tragen und einen festen Händedruck haben. Der Schluss des Kolumnisten lautet, dass Trumps Handschlag seinen Charakter widerspiegle: "aggressiv, trivial und mehr mit Symbolpolitik als mit Substanz befasst". Hierbei stimmt ihm Moustafa Bayoumi, Professor an der City University of New York, zu: Er beschreibt Trumps Verhalten im "Guardian" als "hypermaskuline Stärkedemonstrationen", doch in Wahrheit wirke er so trivial.

Ist Trumps Inkompetenz nur vorgespielt?

Ein weiterer Beweis für Trumps Unsicherheit seien die krassen Farben seiner Krawatten, meint Myers. Richard Thompson Ford sieht jedoch mehr darin. Korrekterweise müsste eine Krawatte so gebunden werden, dass ihr breites Ende auf Hüfthöhe liegt und damit den Gürtel verdeckt. Das dünne Ende liegt dann hinter dem breiten Ende und wird mithilfe einer Schlaufe fixiert. Trumps Krawatte sei viel zu lang gebunden, sagte der Stanford-Professor in der "New York Times". Das breite Ende schwebe unter seiner Hüfte. Dadurch sei das dünne Ende seiner Krawatte zu kurz, um es durch die Schlaufe zu fädeln. Also festige der Präsident die Krawatte mit Tixo.

Trump trägt ein Tixo auf seiner Krawatte.
Trump trägt ein Tixo auf seiner Krawatte.REUTERS/Mike Segar

Laut Ford sei die Überlänge der Krawatte eine "machoartige Angeberei, penibel und überkompensierend". Auch das Tixo sage viel über ihn aus: Er sei zu sorgsam, und zwar bezogen auf die falschen Dinge. Das Klebeband sei ein verzweifelter Versuch, korrekt zu erscheinen. Es sei nicht nur ein "Versagen sondern auch ein Betrug", der eine der zentralen Fragen seiner Präsidentschaft symbolisiere, meint Ford: Als Sohn eines New Yorker Immobilienmoguls hätte Trump ausreichend Gelegenheit gehabt, Krawattenbinden zu lernen, meint der Dresscode-Experte: "Ist Trumps Inkompetenz nun vorgespielt, oder echt?"

>>> Zum Artikel im "Telegraph".

>>> Zum Artikel in der "New York Times".

>>> Zum Artikel im "Independent".

>>> Zum Artikel im "Guardian".

>>> Zum Artikel in der "FAZ".

(red.)