"Es war kein leichter Schritt, gegen ein Unternehmen wie Airbus Strafanzeige einzubringen", sagt Verteidigungsminister Doskozil. Der Grüne Pilz ist überzeugt, dass der Kauf rückabgewickelt werden kann.
Gestern hat das Verteidigungsministerium in der Causa Eurofighter Anzeige gegen Airbus eingebracht. Die Staatsanwaltschaften in Wien und München ermitteln schon seit Jahren in dem Fall. In München könnte es bald Anklagen geben - in Österreich rechnet Christian Pilnacek, Sektionschef im Justizministerium, mit einer Entscheidung im Jahr 2018.
"Ich denke, dass die Staatsanwaltschaft Wien hier recht weit ist, den Geldfluss nachzuvollziehen, aber da sind jetzt noch letzte Ermittlungen insbesondere Vernehmungen von Beschuldigten und Ergebnisse von Kontoöffnungen in anderen Ländern ausständig und dann wird man das abschließend beurteilen können", erklärte Pilnacek am Freitag im Ö1-Morgenjournal. Die Staatsanwaltschaft Wien habe mit jener aus München eine gemeinsame Ermittlungsgruppe gegründet. Den Vorwurf, man ermittle seit Jahren ohne konkrete Ergebnisse, weist er zurück. Das, was in der Anzeige stehe, beziehe sich vielfach auf Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft.
Politiker seien im Moment "soweit ich informiert bin" nicht Gegenstand der Ermittlungen, sagte Pilnacek. Die Chancen, dass die Republik am Ende Geld sieht, wollte er nicht beurteilen.
Wie berichtet wirft die Republik Airbus "arglistige und betrügerische Täuschungshandlungen" vor, durch die "die Republik Österreich geschädigt wurde". Bei "rechtskonformem Verhalten" hätte Österreich die Eurofighter nie gekauft. Österreich will daher sein Geld zurück: Der bisherige Schaden durch den Jet-Kauf wird mit bis zu 1,1 Mrd. Euro angegeben.
Doskozil: "Es war kein leichter Schritt"
"Es war kein leichter Schritt, gegen ein Unternehmen wie Airbus Strafanzeige einzubringen", sagte Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil am Donnerstag in der Zib 2 des ORF. "Wir mussten schon feste Beweise vorlegen, die haben wir." Er könne nicht akzeptieren, "dass Steuergelder für Misswirtschaft und Schmiergelder verwendet werden."
Ob die Anzeige auf einen Vergleich, eine Anklage oder einen Ausstieg aus dem Vertrag hinauslaufe, ist für den Verteidigungsminister nebensächlich, solange die Republik die in die Beschaffung geflossenen Steuermittel wieder zurückbekomme. In den kommenden Monaten will Doskozil nun die Abwicklung von Gegengeschäften überdenken, "damit wir zukünftig bei unseren Rüstungsgeschäften frei von Korruption sind".
Geprüft werden soll auch, was die militärisch effizienteste und wirtschaftlichste Modell für die österreichischen Luftraumüberwachung sei - und ob ein Gegenmodell zum Eurofighter in Frage kommt.
Pilz: Eurofighter-Stornierung möglich
Lob bekommt Doskozil vom Sicherheitssprecher der Grünen, Peter Pilz. "Ich bin froh, dass wenigstens ein Regierungsmitglied, der Verteidigungsminister, diese Causa ernst nimmt", sagte er im Morgenjournal. Pilz glaubt, dass Angeklagte, um der Haft zu entgehen, auspacken könnten.
Zu möglichen Schmiergeldzahlungen meint er, es gebe Spuren in Richtung beider Regierungsparteien von damals und in Richtung hochrangiger Politiker. "Wir werden uns im Parlament überlegen müssen, ob wir nochmal die politische Verantwortung klären, da wir heute einen ganz, ganz anderen Stand haben."
Den Eurofighter sieht Pilz als "nicht funktionierenden Ferrari" und "fliegendes Schmiergeld". Die Rückabwicklung des Kaufes hält er für möglich und geboten: "Wenn irgendwo Korruption nachgewiesen wird, hat die Republik Österreich das Recht und ich glaube auch die Pflicht, aus dem Vertrag auszusteigen."
Herbert Scheibner (Mitte) war zur Zeit der Entscheidung, welchen Jet man kaufen würde, Verteidigungsminister in der schwarz-blauen Regierung. Ursprünglich favorisierte er das Modell des schwedischen Gripen, aber im entscheidenden Ministerrat 2002 stimmte er dem Eurofighter-Kauf zu. (c) Die Presse
Karl-Heinz Grasser (links im Bild, daneben Minister Platter) war bei der Ministerratsentscheidung am 2. Juli 2002 Finanzminister. Er war aus Kostengründen zuvor für die Beschaffung gebrauchter US-Abfangjäger des Typs F 16 eingetreten. Er ist aber, wie er später erklärte, weil er sich damit nicht durchsetzen konnte, umgeschwenkt und hat der Eurofighter-Anschaffung zugestimmt. Entscheidend sei die Empfehlung der Bundesheer-Bewertungskommission gewesen. (c) APA
Der damalige Bundeskanzler Wolfgang Schüssel begründete bei der Regierungssitzung die Typenentscheidung mit der technischen Qualität der Eurofighter und den damit verbundenen Kompensationsgeschäften. Zuvor hatte er bereits erklärt, die Anschaffung werde für Österreich ein Geschäft werden. Nach dem Hochwasser im Sommer 2002 beschloss Schüssels Regierung, statt der ursprünglich vorgesehenen 24 Jets nur 18 zu kaufen. (c) APA
Martin Bartenstein (rechts) war als damaliger Wirtschaftsminister (ÖVP) für die Abwicklung der Gegengeschäfte der Wirtschaft zum Eurofighter-Kauf verantwortlich. Österreich vereinbart mit dem Eurofighter-Hersteller Gegengeschäft im Wert von vier Milliarden Euro über eine Laufzeit von 15 Jahren. Im Bild: Im Bild v.l.n.r. EADS-Vertreter Peter Mauthe, LHStv. Hermann Schützenhöfer, EADS-Testpilot Martin Angerer und Minister Martin Bartenstein anl. der Landung des ersten Eurofighters in Zeltweg. (c) APA
Alfred Gusenbauer (SPÖ) hat im Nationalratswahlkampf 2006 den Ausstieg aus dem Eurofighter-Vertrag versprochen, zu einem Ausstieg aus dem Eurofighter-Geschäft kommt es in seiner Amtszeit als Bundeskanzler 2007/08 aber nicht. (c) Die Presse (Bruckberger)
Der Grüne Peter Pilz trat als Kritiker am auffälligsten in Erscheinung. Im Nachhinein spart er nun auch nicht mit Selbstlob und bezeichnete die Aufdeckungsarbeit seiner Partei als Basis für die Anzeige. "Die Anzeige des Verteidigungsministers bestätigt alles, was wir dokumentiert haben." Er leitete auch den parlamentarischen Untersuchungsausschuss. (c) APA
Norbert Darabos (SPÖ) bekam 2007 als SPÖ-Verteidigungsminister der rot-schwarzen Bundesregierung von Gusenbauer den Auftrag, über einen Ausstieg oder eine Verbilligung der Eurofighter mit der Firma EADS zu verhandeln. Er erzielt einen Vergleich mit dem Eurofighter-Konsortium verbunden mit einer Reduktion von 18 auf 15 Jets. (c) APA
Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner veröffentlicht im Jahr 2015 schließlich einen Bericht über die Gegengeschäfte zum Eurofighterverkauf. Die Gesamtsumme der abgerechneten Gegengeschäfte beläuft sich nach dieser Auflistung auf 3,3 Milliarden Euro. (c) APA
2011 stellte die Staatsanwaltschaft Wien das Strafverfahren gegen den vom Dienst suspendierten, mittlerweile pensionierten "Airchief" Wolf, dessen Ehefrau, den EADS-Lobbyisten Erhard Steininger und das Ehepaar Gernot und Erika Rumpold ein. Im Bild: Erika Rumpold vor Beginn der Sitzung des Eurofighter-Untersuchungsausschusses 2007 im Parlament in Wien. (c) APA
Günther Platter (rechts) war Verteidigungsminister, als der erste österreichischen Eurofighter geliefert wurde. Er betont seit langem, dass die Typenentscheidung für die Kampfjets schon vor seiner Amtszeit gefallen sei, und dass er von Unregelmäßigkeiten nichts mitbekommen habe. (c) APA
Bei Lobbyist Alfons Mensdorff-Pouilly wurden 2008 wegen Verdachts der Bestechung und der Geldwäscherei in Zusammenhang mit dem Ankauf der Eurofighter Hausdurchsuchungen durchgeführt. (c) APA