Hirschers WM-Revue: „Ein absoluter Traum“

Marcel Hirscher: „Was für eine WM, was für eine Ausbeute!“
Marcel Hirscher: „Was für eine WM, was für eine Ausbeute!“(c) APA/AFP/FABRICE COFFRINI

Nach WM-Rennen, die er unbedingt gewinnen wollte, wartet im Weltcup auf Marcel Hirscher die Herausforderung, so viele Punkte wie möglich zu sammeln. Jetzt ordnet der Doppelweltmeister der sechsten Kristallkugel alles unter.

Annaberg/Wien. „Was für eine WM, was für eine Ausbeute!“ Mit diesem Zitat beginnt Marcel Hirschers Blog zur Ski-WM in St. Moritz, bei der er vergangene Woche zum dritten Mal in Folge mit zwei Goldenen und einer Silbermedaille den Edelmetall-Hattrick bei einer WM geschafft hat. Der Salzburger verzichtet wie seine Konkurrenten diese Woche auf Kvitfjell und lädt zu Hause die Batterien für Kranjska Gora auf.

In Slowenien kann Hirscher in jenen zwei Disziplinen, in denen er in der Schweiz bereits Weltmeister geworden ist, den nächsten historischen Schritt tun und vorzeitig zum sechsten Mal in Folge Weltcup Gesamtsieger werden. 432 Punkte Vorsprung hat er in der Gesamtwertung auf Henrik Kristoffersen und Alexis Pinturault. Weil der Norweger und der Franzose wie Hirscher diese Woche nicht in Norwegen antreten, wird das auch in Slowenien noch so sein. Kjetil Jansrud ist bei 600 Punkten Rückstand bereits chancenlos. Verlässt der auch im Slalom und im Riesentorlauf führende Hirscher Kranjska Gora wenige Tage nach seinem 28. Geburtstag mit zumindest 400 Punkten Vorsprung, ist bereits vor dem US-Finale vom 13. bis 19. März in Aspen „alles gegessen“.

Vorerst ging der aktuelle Doppel-Weltmeister aber auf Tauchstation, er gönnte sich eine Pause. „Energiemäßig bin ich Stand jetzt am Ende, weshalb auch die große Feier bis nach der Saison warten muss“, ließ Hirscher von der Wohnzimmer-Couch aus ausrichten. In seiner Erholungspause ließ der 27-Jährige nochmals die WM Revue passieren und bezeichnete das Erlebte als „absoluten Traum“. „Dass uns nach den Schwierigkeiten in der ersten WM-Woche mit meinem Infekt und den Nachwirkungen davon so ein Abschluss gelungen ist – schöner kann es kaum laufen“, schreibt Hirscher in seinem Blog.

Er erinnerte aber auch daran, dass es Momente gegeben habe wie jene, in denen man beraten habe, die Mission Kombination aufgrund seiner Verkühlung abzubrechen, nach Hause zu fahren und noch einmal anzureisen, um den Erfolg in seinen Spezialdisziplinen nicht zu gefährden. So hatte es etwa Atomic-Markenkollegin Mikaela Shiffrin gemacht. „Wenn du dich in diesen Momenten dazu entscheidest, Risiko zu gehen und durchzubeißen, und am Ende drei Mal mit Edelmetall belohnt wirst, ist die Genugtuung umso größer.“

 

Strategie der „zwei Marcels“

Nächste Woche wird Hirscher am 2. März 28 Jahre alt. Wer ihn kennt, weiß, dass der Vollprofi aus Annaberg im Lammertal ob der Aufgaben nur für den womöglich entscheidenden Showdown trainieren wird. Nach dem zweiten Gold in St. Moritz war er erneut zur Erkenntnis gekommen, dass es diesen Winter „zwei Marcels“ gibt. Nämlich „dass der Marcel Hirscher, der um den Gesamtweltcup fährt und der Marcel Hirscher, der WM-Medaillen gewinnen will, zwei verschiedene Athleten sind. Der erste muss schauen, dass er runterkommt, um in jedem Rennen Punkte zu sammeln, der zweite scheidet lieber aus, als am Ende auf WM-Platz vier zu landen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2017)