Gentechnisch veränderte Literatur

Sarah Herbe analysierte neue Science-Fiction-Texte: Bei wissenschaftlich versierten Autoren spielen gentechnisch veränderte Menschen in der Zukunft stets eine wichtige Rolle.

Im neuen „Spiderman“ wird der Protagonist von einer gentechnisch veränderten Spinne gebissen statt von einer radioaktiven wie im Originalcomic der Sechzigerjahre. Dass solche Science-Fiction-Details auch Universitäten beschäftigen, ist wenigen bewusst. An der Anglistik und Amerikanistik der Uni Salzburg war Sarah Herbe im FWF-Projekt „Fantastische Körpertransformationen in der britischen Literatur“ jedenfalls für Science-Fiction zuständig. So kam sie zu ihrer Dissertation (Betreuung: Sabine Coelsch-Foisner) über Charaktere in der neuen britischen „Hard-Science-Fiction“, die durch Gentechnik verändert werden.

„In der Hard-Science-Fiction gehen die Autoren immer vom aktuellen Wissensstand aus und spinnen die Fakten auf realistische Weise weiter“, erklärt Herbe. Sie fragen sich, welche Auswirkungen es auf die Gesellschaft hat, wenn Menschen geklont werden oder sich die Augenfarbe der Kinder aussuchen können. Anhand der Texte von Paul J. McAuley oder Brian Stableford fand Herbe heraus, dass sich alle Autoren einig sind, dass Gentechnik in der Zukunft eine Rolle spielt. Die Frage ist nur, welche. Die Auswirkungen werden dabei nicht als Warnung hinausposaunt, sondern sind ausgewogen zwischen Positivem (langes Leben, Immunität gegen Krankheiten) und negativen Szenarien, wenn etwas schiefgeht. Literarisch interessant war, dass das oft kritisierte Manko, dass die Wissenschaft im Vorder- und die Personen im Hintergrund stehen, in den neuen Texten nicht haltbar ist. Durch die gentechnische Veränderung stehen die Menschen im Mittelpunkt und entwickeln sich auf literarischer Ebene. „Auch Probleme mit gentechnisch veränderten Pflanzen werden beschrieben. Und als in der Wissenschaft die Gene von leuchtenden Quallen in Tiere eingebracht wurden, nahm dies die Literatur schnell auf, und man las von Menschen, die durch Quallengene leuchtende Haare bekamen“, fasst Herbe zusammen, die inzwischen in der fortführenden Forschungsgruppe „ALiEN“ (Alternative Lives in Experimental Narratives, www.uni-salzburg.at/alien) arbeitet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.10.2009)