Sportinsider Hans Holdhaus ärgert sich über den undurchsichtigen Wildwuchs an Fördertöpfen und über vergeudete Steuergelder.
Herr Holdhaus, ist Österreich eine Sportnation?
Hans Holdhaus: Ich glaube, der Österreicher ist meist ein passiver Sportler. In anderen Ländern, etwa in Skandinavien, hat der aktive Sport eine viel größere Bedeutung als bei uns.
Aber diese Passivität kann durchaus emotionell sein...
Österreich ist ein emotionelles Sportland. Das sieht man beim Fußball. Wenn das Team gut spielt, gibt es große Begeisterung. Spielt es schlecht, dann schwenkt die Euphorie schnell in die Gegenrichtung, ins Fürchterliche, in die Katastrophe. Wir wanken hier sehr gern zwischen den Extremen.
Gar nicht passiv ist die Politik in Sachen Sport. Ist es gut, wenn der Sport politisch wird?
Das ist ja prinzipiell positiv. Zur österreichischen Kultur gehört nicht nur Theater oder Oper, da gehört der Sport dazu. Und deshalb ist es gut, wenn die Politik den Sport fördert. Allerdings habe ich auch schon manche Sportler klagen gehört: „Wenn ich gewonnen habe, will er mit mir ein Foto machen. Wenn ich verliere, dann kennt er mich nicht.“
Pro Jahr fließen mehr als 100 Millionen Euro Steuergeld in die Sportförderung. Ist dieser Betrag angemessen?
Ich glaube, dass dem österreichischen Sport nicht zu wenig Geld zur Verfügung steht. Vor allem stimmt das, was herauskommt, definitiv nicht mit dem überein, was hineingesteckt wird. Der Grund sind strukturelle Defizite in den Verbänden. Wir brauchen mehr Profis im Management der Verbände.
Da wird also in einigen Bereichen Geld vergeudet?
Das glaube ich schon. Man könnte die Gelder, die zur Verfügung stehen, definitiv effizienter einsetzen. Denken wir nur an die Olympischen Spiele in Peking. Da stehen die drei Medaillen in keinem Verhältnis zu dem massiven Geldaufwand.
Wer entscheidet nun, wer diese mehr als 100 Millionen Euro Steuergeld bekommt?
Ein wesentlicher Entscheidungsträger ist die Bundessportorganisation. Dort gibt es eine ganze Reihe von Fördertöpfen. Und leider höre ich immer wieder aus den Verbänden, dass die Funktionäre vielfach nicht wissen, an wen sie sich wenden müssen, damit sie zu Geld kommen. Das ist alles sehr verwirrend. Da muss es zu mehr Transparenz kommen. Denn ich muss ehrlich eingestehen: Ich kenne mich derzeit auch nicht aus.
Warum ist das so?
Das ist eine gewachsene Struktur. Und diese Struktur ermöglicht, dass viele Leute in die angenehme Lage versetzt werden, Geld verteilen zu dürfen. Und wer verteilt nicht gern Geld? Und wenn man diesen Leute nun sagt, man legt das ganze Geld in einen einzigen Topf, dann werden sie vermutlich keine Freude haben.
Vielleicht würden auch jene keine Freude haben, die in diesem Wirrwarr hohe Förderungen kassieren?
Ich konstruiere jetzt ein Beispiel: Der Sportler X bekommt eine Förderung vom Team Rot-Weiß-Rot, eine Förderung von der Sporthilfe, eine Förderung vom Land, eine von der Gemeinde und vielleicht hat er darüber hinaus auch noch einen Sponsor. Theoretisch könnte es sein, dass der Sportler für ein und dieselbe Maßnahme mehrfach Förderungen kassiert.
Klären Sie das nicht untereinander ab, bevor Sie den Geldhahn aufdrehen?
Wenn ich vom Team Rot-Weiß-Rot zum Land X gehe und frage, ob ein Sportler von ihm Geld erhält, bekomme ich als Antwort: Das geht euch nichts an.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.10.2009)