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Stopp am Pfad zu Ho Chi Minhs Denkmal

Themenbild
(c) REUTERS (KHAM)
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Die Stadt Wien stoppt Pläne für ein Denkmal für den vietnamesischen Kommunistenführer im Donaupark. Vietnam wollte Österreich die Büste schenken, doch nach heftigen Protesten zog das Rathaus vorerst die Bremse.

Wien. Ho Chi Minh also. Im Windschatten der Diskussion um die Umbenennung des Heldenplatzes tauchte plötzlich der vietnamesische Kommunistenführer auf. Als Büste, die die vietnamesische Regierung zur Feier von 45 Jahren diplomatischer Beziehungen mit Österreich der Stadt Wien schenken wollte. Und die am Donnerstag zu heftigen Diskussionen in Rathaus, Medien und Öffentlichkeit führte. Dass „Rot-Grün“ das Denkmal durchgewinkt habe, hieß es vom Boulevard. Ein Denkmal für einen „Diktator“, einen „kommunistischen Massenmörder“ und als „Sinnbild rot-grüner Geisteshaltung“, wie Vertreter von ÖVP und FPÖ in Aussendungen kritisierten.

Allein, wer das Denkmal tatsächlich genehmigt haben soll, das wirkte im Lauf des Donnerstags wie ein Pingpongspiel der Zuständigkeiten. Denn die Grünen distanzierten sich sehr schnell via Twitter von dem Vorhaben – man habe dem Denkmal nie zugestimmt, weder auf Bezirks- noch auf Gemeindeebene. Und im Rathaus fand sich auch keine Abteilung, die Verantwortung zeigen oder Übersicht signalisieren wollte. Im Büro von Kulturstadtrat Anderas Mailath-Pokorny (SPÖ) hieß es zunächst, dass man mit der Errichtung nichts zu tun habe. Man sei lediglich für die Erhaltung und Pflege von Denkmälern zuständig. Im Büro von Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ) blieb es auf Anfrage stumm – ihrem Ressort ist auch die MA 42 zugeordnet, das Stadtgartenamt. Das wiederum ist verantwortlich dafür, was auf der Fläche des Donauparks geschieht. Also auch für die Errichtung eines Denkmals.

Die Genehmigung dafür, so heißt es von der Gesellschaft Österreich Vietnam, die für die vietnamesische Botschaft die Formalitäten in Österreich übernahm, habe das Stadtgartenamt jedenfalls erteilt. Dieses habe auch eine Begehung organisiert, hieß es schon im August 2016. Die Kosten für die Errichtung sollten von vietnamesischer Seite übernommen werden, die Enthüllung sollte 2017 erfolgen. Danach sollte das Denkmal in das Eigentum der Stadt Wien übergehen.

Als die Stadtzeitung „Falter“ vergangene Woche vom Denkmal berichtete, blieb der Aufschrei aus. Als der Boulevard das Thema aufgriff, setzte die Empörung ein. Und in der Stadtverwaltung am Donnerstag zunächst eine Schockstarre. Ein Denkmal für eine historisch umstrittene Persönlichkeit, das ist nicht so einfach zu verkaufen. Immerhin hat Ho Chi Minh, der unter anderem die französische Kolonialherrschaft beendet hatte, nicht den besten Leumund. Für Folter wird der 1969 gestorbene Kommunistenführer verantwortlich gemacht, so wie auch für die Ermordung politischer Gegner. Den Vorwurf, Ho Chi Minh sei ein Massenmörder gewesen, hält Peter Jankowitsch, ehemaliger Außenminister und Präsident der Gesellschaft Österreich Vietnam, für „lächerlich“. Die seien nur Teil eines „Rachefeldzugs“, den einige Exil-Vietnamesen führen würden. In Vietnam selbst sei Ho Chi Minh ein „Nationalheld, so wie Kaiser Franz Joseph für Österreich-Ungarn“. Und man könne doch einem Staat, mit dem man diplomatische Beziehungen habe, doch nicht sagen, dass man sein Nationalsymbol ablehne.

Bei anderen Persönlichkeiten, die mit einem Denkmal im Donaupark vertreten sind, gab es auch schon ähnliche Diskussionen. Allen voran bei der Büste von Che Guevara – als die Büste des kubanischen Revolutionärs 2008 enthüllt wurde, war sogar Bürgermeister Michael Häupl anwesend, der den Gästen die Hoffnung mit auf den Weg gab, dass sie „ein kleines Stückchen Che Guevara in Ihrem Herzen mit nach Hause“ nehmen sollten. Schon damals hatten ÖVP und FPÖ getobt, dass hier einem Massenmörder gehuldigt werde.

 

„Entscheidungsgrundlagen prüfen“

Auch damals hatte mit der Österreichisch-Kubanischen Gesellschaft ein privater Verein das Denkmal initiiert, beim Grundeigentümer, dem Stadtgartenamt, um Genehmigung angesucht. Danach ging die Büste ins Eigentum der Stadt Wien über. So, wie es auch bei Ho Chi Minh geplant war. Von der Finanzierung über die Genehmigung bis zur Enthüllung. Allein, Che Guevaras Büste steht – trotz Protesten – nach wie vor im Donaupark. Für den vietnamesischen Kommunistenführer schaut es vorerst allerdings nicht danach aus, als würde er ihm bald Gesellschaft leisten. Am späten Donnerstagnachmittag hieß es aus dem Rathaus, dass das „weitere Vorhaben gestoppt“ werde. „Die Entscheidungsgrundlagen sollen einer Prüfung unterzogen werden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.02.2017)