Präsident Trump, die US-Hardliner und die Krim

Was hat Trump bewogen, von Putin die Rückgabe der Krim zu fordern?

Wem der Frieden am Herzen liegt, der las erleichtert, schon vor seiner Wahl, dass Donald Trumps erstes Reiseziel ein Treffen mit dem Kreml-Herrn, Wladimir Putin, sein sollte! Er wolle so die zweifellos in Russland sehr hoch gestiegene Irritation ausräumen, die Hillary Clinton durch ihre zweimalige Andeutung eines „Russland-Kriegs“ in Wahlreden verursacht hatte.

Umso mehr scheucht jetzt auf, lesen zu müssen, dass auch Präsident Trump so ungebildet ist. Denn ich unterstelle ihm, nicht zu wissen, dass am 8. April 1783 Katharina die Große erklärt hatte, der Türkei die Krim abfetzen zu wollen: Selbstverständlich für Petersburg – keineswegs für Kiew. So dann auch geschehen.

Daher hat Altkanzler Helmut Schmidt in seinem Todesjahr dreimal betont: „Hört endlich auf mit dem Unfug der Sanktionen, weder Krim noch Ukraine waren jemals selbstständige Staatswesen.“ Doch die BRD-Einheitspresse ist bereits dermaßen zur Einstimmigkeit entartet, dass selbst „Der Spiegel“ von der „Annexion“ der Krim spricht!

Am 14. Februar plötzlich die Meldung, auch Herr Trump werde bei seinem Treffen mit Herrn Putin fordern, die Halbinsel an die Ukraine „zurückzugeben“. Wieso? Die Ukraine, 1783 noch nichts als ein großes Dorf, war nicht eine Stunde im Besitz der Krim, bis der Ukrainer Nikita Chruschtschow 1954, vermutlich aus Heimatliebe (was sonst sollte sein Motiv gewesen sein?), die Halbinsel Kiew zuschanzte.

Ignoriertes Referendum

Herr Putin handelte absolut korrekt, als er auf der Krim ein Referendum ausschrieb, in dem mehr als 90 Prozent der Bewohner dafür stimmten, wieder zu Moskau zu gehören. Wie kommt jetzt die westliche Welt dazu – an der Spitze die deutsche Presse –, dieses Ergebnis total zu ignorieren? Selbst wenn man annimmt, dass es bei der Auszählung nicht lupenrein korrekt zuging – auf die Höhe von über 95 Prozent kann der Kreml das Referendum kaum emporgefälscht haben! Will man das bestreiten? Oder trifft nicht auf den Verdacht des Wahlbetrugs auch zu, was Herr Gorbatschow wiederholt einen „Vorwand“ nannte?

Sprache des Kalten Krieges

So, wenn er 2009 die für ihn persönlich zum Trauerspiel gewordene, da ja von ihm verantwortete Freigabe ganz Osteuropas bereuen musste; keineswegs nur deshalb, weil es ihn in den Augen aller Russen zur Persona non grata, ja fast zum Landesverräter gemacht hat: „Kohl, US-Außenminister James Baker und andere sicherten mir zu, dass die Nato sich keinen Zentimeter nach Osten bewegen würde. Daran haben sich die Amerikaner nicht gehalten, und den Deutschen war es gleichgültig. Vielleicht haben sie sich sogar die Hände gerieben, wie toll man die Russen über den Tisch gezogen hat. Was hat es gebracht? Nur, dass die Russen westlichen Versprechungen nun nicht mehr trauen.“

Muss man nicht, unter diesem Aspekt gesehen, umso mehr bedauern, dass der neue Präsident, trotz seiner erfreulichen Ankündigung, jetzt urplötzlich fast in die Sprache des Kalten Krieges zurückfällt? Ja, sogar Schlimmeres ausspricht, als damals je gesagt wurde: Kein westlicher Politiker hat während des Kalten Krieges je den Moskauern vorgehalten, sie hätten die Krim „annektiert“.

Muss etwa Herr Trump unter dem Diktat der republikanischen Falken jetzt auch als Hardliner sprechen? Man muss nach diesen historisch unhaltbaren Aussagen über den Besitz der Krim nun gespannt sein, ob Herr Putin überhaupt noch bereit ist, Herrn Trump zu treffen. Um des Friedens willen muss man das hoffen!

Rolf Hochhuth (geboren 1931 in Eschwege) ist freier Autor und Dramatiker. Sein erstes Theaterstück, „Der Stellvertreter. Ein christliches Trauerspiel“, wurde zum Welterfolg.

E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.02.2017)

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