Was wir alles tun würden, wenn wir könnten – oder was wir tun, wenn wir können.
Die österreichische Möglichkeitsform gehört zu den nicht so einfachen Eigenheiten, wenn man Österreich und seine Bewohner verstehen lernen will. „I rufat dann an und sagat, ob's gangat“, war unlängst zu hören. Deutsche macht das fassungslos, könnte man doch genauso gut sagen: „Ich rufe dann an und sage, ob es geht.“ Aber es ist trotzdem nicht ganz dasselbe. Ein Deutscher sagt ja auch beim Bestellen: „Ich bekomme“ und nicht wie sein österreichischer Nachbar „I hättat gern“ oder, wenn er von der positiven Beantwortung seines Ansuchens überzeugt ist, „I kriagat“.
Aber selbst unter Einheimischen wird die Möglichkeitsform manchmal ins Irre hineingesteigert. Stehen etwa mehr als zwei Skifahrer nach dem Aussteigen aus dem Lift zusammen, sagt einer: „I fahrat dann“, sagt der andere: „Fahrst jetzt?“ und der Erste: „I fahrat, außer du fahratst zuerst.“ Das kann mitunter zu einem minutenlangen Aufenthalt führen.
Warum tun wir das? Weil wir so höflich sind? Oder weil wir mit der Möglichkeitsform auch gleich die Möglichkeit haben, das eben Angekündigte dann doch nicht zu tun? Eine permanente Rückzugsoption vielleicht. Man kann es sich auf jeden Fall nur sehr schwer abgewöhnen (wenn man das überhaupt will).
Der Einkauf beim Bäcker ist auch aus anderen Gründen immer lehrreich. Die Abneigung vieler Kunden, die teilweise absurden Namen der Ware auszusprechen, ist spürbar. Bevor man etwa einen Schweißausbruch bekommt, weil man ein Wort wie „Pikantes Sportkrustenkerni“ verwenden soll, vor Zeugen, bitte, macht man lieber eine hilflose Handbewegung vor der Vitrine und bittet um „so etwas da“.
Erstaunlich, wofür man sich alles genieren kann. Aber auch hier sind, wie beim Konjunktiv, die Möglichkeiten anscheinend unendlich.
E-Mails an: friederike.leibl-buerger@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.02.2017)