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Quergeschrieben

Man möge Donald Trump nicht unterschätzen

In den USA und auch hierzulande können sich so manche nicht halten vor Empörung und Spott gegenüber Trump. Ihr größter Fehler: Sie unterschätzen ihn.

Es war eine Unterhaltung wie so viele in letzter Zeit: Zwei Personen bestätigten sich gegenseitig, dass die Trump-Ära ohnehin rasch zu Ende sein werde. Ich konnte nicht an mich halten und musste einwerfen, dass dies stimme, denn acht Jahre vergingen ja ohnehin schnell. Betretenes Schweigen und zornige Blicke waren die Folge, und da bin ich noch gut davongekommen. Achtung! Nein, ich bin kein Fan von Donald Trump, seiner Persönlichkeit oder seiner Politik. Meine Einschätzung zu seiner Persönlichkeitsstruktur habe ich an dieser Stelle schon vor einigen Monaten abgegeben. Allerdings nervt mich derzeit die nur zu oft überhebliche, ignorante und hysterische Perzeption Donald Trumps. Sie wird weder der Person des neuen US-Präsidenten gerecht, noch und schon gar nicht der gesellschaftspolitischen Situation der USA.

Donald Trumps Machogehabe ist nämlich nicht eine Schwäche, sondern seine wichtigste politische Stärke. Die von linken und rechten Populisten hüben wie drüben oft beklagten Menschen, die in den vergangenen Jahren ihre Arbeitsplätze, oft sogar ihr Heim verloren haben, die perspektivenlos den Eliten zusahen, wie sie über die Einrichtung von eigenen WCs für Transgenders stritten, während sie auf sie vergaßen, hatten ihren Erlöser gefunden. Männer, die ihrer männlichen Rolle als Ehemänner, Familienerhalter und stolze Väter verlustig gegangen waren. Dazu kamen die Auswüchse der „Political Correctness“, die viele Männer völlig durcheinanderbrachten. Sie wussten nicht mehr, ob sie am Arbeitsplatz sitzend mit einer stehenden Frau sprechen dürfen (dürfen sie tatsächlich nicht), oder ob sie allein mit einer Frau in den Aufzug einsteigen sollten (sollten sie tatsächlich lieber nicht). Nur so ist zu verstehen, dass diese solcherart kastrierten Männer in Scharen Trump wählten. Und noch erstaunlicher: Auch deren Frauen wählten lieber Trump als Hillary Clinton – sie wollten einfach ihren Männern beistehen.