Schnellauswahl

ORF: Dominic Heinzl-Show "deutlich später" als ZiB

Dominic Heinzl: Doch später als die ZiB
(c) ORF (Thomas Ramstorfer)
  • Drucken

Bei der Publikumsrats-Sitzung gab der ORF-Chef Entwarnung: Die neue ORF-Sendung von Heinzl soll doch nicht parallel zur "Zeit im Bild" laufen. Lob gab es für die stabilen Quoten der ORF-Information.

Der ORF-Publikumsrat warnt vor einer Kannibalisierung der "Zeit im Bild" durch eine Parallelprogrammierung des neuen Formats von Dominic Heinzl. Die Society-Show werde "deutlich später beginnen" als die Hauptnachrichtensendung auf ORF 2, beruhigte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz bei der Plenarsitzung am Dienstag. "Es wird zu keiner eins zu eins Gegenprogrammierung kommen", so der ORF-Chef.

"Fürchte mich nicht vor Heinzl"

Informationsdirektor Elmar Oberhauser hält es für "kleinlich und kindisch", hier Ängste zu schüren. Dass man im ORF 1-Vorabend etwas tun musste, sei klar gewesen, so Oberhauser. "Ich sehe das sportlich und fürchte mich nicht vor Dominic Heinzl. Ich bin sicher, dass die 'ZiB' das Match gewinnen wird."

Lob erntete der Informationsdirektor im Publikumsrat für die stabile Quotenentwicklung der ORF-Information - "in Zeiten wie diesen" sei das "keine Selbstverständlichkeit", so Andreas Kratschmar, Vorsitzender des Programmausschusses.

Information: Marktanteile bleiben gleich

Nach einem Bericht Oberhausers seien die Marktanteile nahezu aller ORF-Informationsformate gegenüber dem Vorjahr stabil geblieben. Einsparungen habe es beim Personalstand gegeben, der heute trotz der Einführung neuer Info-Sendungen laut Oberhauser lediglich genauso hoch ist wie zu seinem Amtsantritt im Jahr 2007.

Sorgen bereiten den Publikumsvertretern die geplanten Sendeschemaänderungen bei dem Ö1-Wohlfühlmagazin "Ganz ich". Die Geschäftsführung plant, das Ö1-Magazin von wöchentlich einer Sendestunde auf eine halbe Stunde zu reduzieren - außerdem soll es statt bisher von Dienstag bis Freitag nur mehr Sonntags ausgestrahlt werden. Das Magazin müsse in vollem Umfang erhalten bleiben, forderten die Räte am Dienstag in einer entsprechenden Empfehlung.

Herausforderungen für Wrabetz

Die großen Herausforderungen, vor denen der öffentlich-rechtliche Sender steht, skizzierte Wrabetz unter dem Tagesordnungspunkt "Bericht des Generaldirektors".

"Stabilität und klare Rahmenbedingungen" erhofft sich Wrabetz vom Abschluss des EU-Beihilfeverfahrens, bei dem "in den nächsten Tagen der finale Schriftwechsel zwischen EU-Kommission und Österreich erwartet wird".

Die ORF-Prüfung, die laut Wrabetz vor allem die Skepsis am derzeitigen Finanzierungssystem ausräumen wird, gilt als Voraussetzung für die ORF-Gesetzesnovelle.

Refundierung noch offen

Wie die ORF-Enquete im Parlament kürzlich gezeigt habe, sei vor allem die Frage nach der Refundierung der Gebührenbefreiungen noch offen. Um die Notwendigkeit nach der Refundierung zu unterstreichen, rechnete Wrabetz vor, dass dem ORF seit der letzten Änderung des ORF-Gesetzes im Jahr 2001 und den darin enthaltenen Einschnitten kumuliert rund 700 Millionen Euro entgangen seien. Allein die nicht erfolgte Refundierung der Gebührenbefreiungen habe den Sender knapp 420 Millionen Euro gekostet, durch Werbebeschränkungen kamen weitere 250 Millionen Euro dazu.

In Zukunft müsse der ORF aufgrund des zu erwartenden Anwachsens der Gebührenbefreiungen sowie durch die Abmeldung der ORF-Programme und dem damit verbundenen Verlust der Gis-Gebühren mit weiteren finanziellen Einschnitten rechnen.

Durch die Abmeldung der ORF-Programme etwa bei Haushalten mit analogem Satellitenempfang könnten dem ORF im nächsten Jahr fünf Millionen Euro entgehen, der Anstieg von gebührenbefreiten Haushalten könnte knapp 68 Millionen Euro kosten.

Diese Einbußen sollen nicht zuletzt durch das Sparpaket aufgefangen werden. In Summe will Wrabetz 2010 81,2 Millionen Euro sparen, 22,5 Millionen Euro stammen aus dem in der Vorwoche beschlossenen Personalpaket, 30,3 Millionen Euro kommen aus dezentralen Maßnahmen und 28,3 Millionen aus Einsparungen beim Sachaufwand.

Neues Mitglied für Publikumsrat

Der ORF-Publikumsrat hat am Dienstag mit Roman Hummel ein neues Mitglied begrüßt. Der Kommunikationswissenschafter von der Universität Salzburg ersetzt Erwin Steinhauer und ist für den Bereich Bildung zuständig.

Eine Erleichterung gibt es künftig für Journalisten, die für die Publikumsrats-Sitzung nicht mehr eigens auf den Küniglberg pilgern müssen. Die Plenardebatten werden ab Dezember online via Live-Stream übertragen. Georg Weißmann, Vorsitzender des Publikumsrats, erwartet sich so eine erhöhte Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit.

 

(APA)