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Erste Lustreise zum Mond soll 2018 stattfinden

File Photo: SpaceX CEO Musk unveils the Dragon V2 spacecraft in Hawthorne
(c) REUTERS (MARIO ANZUONI)
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Die im Bau von Raketen und Raumkapseln erfolgreiche US-Firma SpaceX will nächstes Jahr erstmals Touristen um den Mond und zurück fliegen. Das scheint realistisch – und könnte einen inneramerikanischen Wettlauf lostreten.

Los Angeles/Washington. Im All bahnt sich überraschend ein inneramerikanischer Wettlauf mit Ziel Mond an – aber vorerst nicht, um dort erstmals seit 1972 zu landen, sondern um ihn zu umrunden: Der Chef des kalifornischen Raumfahrtkonzerns SpaceX, der gebürtige Südafrikaner Elon Musk, sagte am Montag (Ortszeit), seine Firma wolle Ende nächsten Jahres zwei Touristen in einer Dragon-V2-Kapsel um den Mond fliegen und zur Erde zurückbringen.

Die Nasa, die staatliche Raumfahrtbehörde, hat eine bemannte Mondumkreisung mit einem Orion-Raumschiff und vier Insassen bisher auf Sommer 2021 fixiert und will das im Herbst 2018 unbemannt proben (die Orion hat übrigens ein Antriebs- und Versorgungsmodul aus Europa).

Interessanterweise berichtet das Luftfahrtnetzwerk Aviation Week, dass die Nasa zurzeit vom zuständigen Raumfahrtteam US-Präsident Donald Trumps gedrängt werde, die bemannte Mondumrundung auf 2019 vorzuverlegen, damit sie noch vor der nächsten Präsidentenwahl stattfindet.

Wer die Kunden von SpaceX sind, sagte Musk (45), der auch die Elektroautofirma Tesla leitet, nicht. Sie hätten eine „bedeutende Anzahlung“ geleistet und würden Fitness- und Gesundheitstests unterzogen.

SpaceX, gegründet 2002, hat etwa 5000 Mitarbeiter und schuf das Dragon-Schiff sowie die Startraketen vom Typ Falcon. Die unbemannte Version, Dragon V1, wird seit 2012 zur Versorgung der internationalen Raumstation ISS benutzt und flog elf Mal von Cape Canaveral aus sicher dorthin; es gab einen Fehlschlag, als die Rakete explodierte.

Die Dragon war von Beginn an für spätere bemannte Flüge ausgelegt. In der diesbezüglichen Version 2 absolvierte sie 2015 einen kleinen Testflug, bei dem sie ohne Falcon-Rakete und nur durch die Kraft ihrer eigenen acht kleinen SuperDraco-Triebwerke etwa 1500 Meter hoch flog – diese dienen als Rettungssystem für die Kapsel, wenn ein Start missglückt, und sollen es einmal ermöglichen, dass sie nach der Rückkehr aus dem All stehend auf festem Boden landet.

 

Größer, geräumiger, cooler

Der erste, noch unbemannte Flug zur ISS findet laut Musk im November statt, ein bemannter dorthin mit zwei Astronauten Mitte 2018, wenige Monate vor der Lustreise um den Mond. Die Dragon V2 ist größer und geräumiger als die Orion der Nasa, bietet sieben Personen Platz (Orion: vier bis sechs) und ist innen unheimlich stylish, fast wie im Film. Bei SpaceX betont man ihre vier großen Fenster, die Aussicht auf Sonne, Erde, Mond und Sterne bieten, und die feinen Materialen im Inneren aus den feinster Kohlefaser und Alcantara-Vliesstoffen.

Der Touristenflug werde vollautomatisch bzw. von der Erde aus gesteuert, und sollte das Start-Fluchtsystem zünden, erführen die Gäste etwa dieselben Beschleunigungskräfte wie bei diversen Fahrattraktionen in Disneyland. Der Hitzeschild sei extra groß dimensioniert. Ob die Kapsel bei den ersten bemannten Einsätzen 2018 konventionell am Fallschirm hängend wassert oder das Bodenlandesystem mit den SuperDracos benützt, ist unklar. Auch könnte der Termin doch verfrüht sein: Der US-Rechnungshof rechnete jüngst mit bemannten Flügen der Dragon und des Starliners, eines Konkurrenzmodells von Boeing, frühestens 2019.

Mehrere Firmen und Raumfahrtbehörden haben schon Touristen in einen Erdorbit geschickt, aber noch nie zum Mond.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.03.2017)