Der Versuch, ausgerottete Arten wiederzubeleben, könnte bedrohte Arten noch mehr bedrohen.
Soll man die vor 4000 Jahren ausgerotteten Mammuts wieder auferstehen lassen? Seit den Neunzigerjahren will man das, inzwischen ist die Arbeit im Labor von George Church (Harvard) so weit gediehen, dass er in zwei Jahren ein Mammut haben will, das ließ er auf einer Tagung wissen. Allerdings wäre seine Kreatur erstens nur ein Embryo und zweitens kein Original, sondern ein „Mammufant“, präziser: ein Elefantengenom mit eingebauten Mammutgenen, für kleine Ohren etwa und dickes Fell.
Dieses Genom soll dann in eine entkernte Eizelle einer Elefantin, und ausgetragen werden soll die Eizelle von einem synthetischen Uterus. So etwas gibt es noch nicht, Church hat erste Erfolge bei Mäusen, den Entwicklungsbedarf für Mammufanten schätzt er auf zehn Jahre. Mit dieser Komplikation und Verzögerung nimmt Church einer Kritik den Wind aus den Segeln: Wollte man Mammufanten von einer Elefantenkuh austragen lassen, bräuchte man eine von Indischen Elefanten – und die sind selbst nicht weit vom Aussterben, man kann keinen Tod einer Surrogatmutter riskieren.
Andere Bedenken sind damit nicht aus der Welt, auch sie haben mit gefährdeten Arten zu tun: Ausgerottete und gentechnisch wiederbelebte Tiere – nicht nur Mammuts, es gibt De-Extinction-Pläne für viele andere auch – müssten geschützt werden. Das könnte zulasten von aktuell bedrohten Arten gehen, fürchten viele, und Joseph Bennett (Ottawa) hat versucht, es an Beispielen durchzukalkulieren: Er sieht als Effekt der De-Extinction nicht eine Steigerung, sondern eine Verminderung der Biodiversität: Jede wiederbelebte Art würde zwei noch existierende das Leben kosten (Nature Ecology & Evolution 27. 2.). Allerdings zieht ein Begleitkommentar die generelle Gültigkeit dieser Zahlen in Zweifel.
Und Church ist schon auch mit Ökonomie vertraut: Seine Mammufanten sollen einmal so massenhaft wie einst durch sibirische Steppen stampfen und damit den Schnee so verdichten, dass keine Treibhausgase mehr aus dem Boden steigen. Dann könnte das Geld für sie nicht aus Artenschutz-, sondern aus Klimaschutztöpfen kommen. (jl)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.03.2017)