Die Auszeichnung für „Humanitäres Engagement“ geht an Peter Kais Sterntalerhof.
Gerade „in Zeiten wie diesen“ sei es wichtig, das ,Humanitäre Engagement‘, sagt Karl Stoss, Generaldirektor der Lotterien, als er die Bühne betritt, um den Sieger in ebendieser Kategorie zu verkünden. Denn durch die weltweite Wirtschaftskrise steige die Zahl der Menschen, die dringend Hilfe von anderen benötige. Umso notwendiger sei es, bei der Auszeichnung der „Österreicher des Jahres“ nicht auf jene zu vergessen, denen das Wohl anderer wichtig sei – bisweilen sogar wichtiger als das eigene.
„Es wird nicht allein gestorben“
Drei Projekte haben die „Presse“-Leser für die Auszeichnung im Rahmen der Austria09-Gala nominiert – die einzige Kategorie, in der ausschließlich die Stimmen der Leser ausschlaggebend waren. Weil, so „Presse“-Geschäftsführer Reinhold Gmeinbauer vor der Verleihung des Preises, „sich keine Jury ein Urteil anmaßen könnte über die vielen großartigen Projekte im humanitären Bereich“.
Gewinnen konnte aber auch hier am Ende aber nur einer – und das war in diesem Jahr der klinische Seelsorger Peter Kai, der seit zehn Jahren den Sterntalerhof im burgenländischen Stegersbach betreibt. In diesem einzigen Kinderhospiz Österreichs können Familien von todkranken Kindern Abschied nehmen und ihre letzten Tage in Würde, Freude und Ruhe mit ihnen verbringen. In dieser Zeit lernen die Kinder, aber auch ihre Angehörigen, mit ihren Gefühlen – Angst, Zorn und Trauer – umzugehen.
Seine Auszeichnung widmet der frischgebackene Österreicher des Jahres in seiner Dankesrede eben jenen Menschen, mit denen er arbeitet: „Ich danke den Kindern, die jetzt schon in der Ewigkeit sind – sie waren meine besten Lebenslehrer“, so Peter Kai. Von ihnen habe er gelernt, wie schön es ist, wenn plötzlich ein Lächeln ist, wo gerade noch Verzweiflung gewesen sei. Oder die Erkenntnis, dass eine große Familie einen Menschen auf seinem letzten Weg begleitet: „Es wird nicht allein gestorben.“
Sichtlich bewegt dankt der gebürtige Tiroler – man hört es noch – seinen Lehrern, die ihn auf seinen Stationen bis zur Gründung des Sterntalerhofs begleitet haben: Nach zehn Jahren als Religionslehrer in Wien war Peter Kai auch schon klinischer Seelsorger am St. Anna Kinderspital.
Spenden auch für Bosnien, Obdachlose
Und auch, wenn die begehrte Austria09-Trophäe nur einer bekommen konnte: Alle drei Initiativen, die auf den vordersten Plätzen der Abstimmung gelandet sind, bekamen einen Scheck überreicht.
10.000Euro für ihre Projekte erhält neben Kai auch Annemarie Kury, die ohne jede Verwaltungsstruktur Hilfsprojekte für Bosnien auf die Beine stellt und selbst bereits mehr als 260 Hilfsfahrten in das vom Krieg zugrundegerichtete Ex-Jugoslawien unternommen hat, um Lebensmittel, Kleidung und andere Hilfsgüter den Bedürftigen dort zu bringen: „Und auch wenn der Krieg vorbei ist, ist dort noch viel zu tun“, sagt Kury.
Und auch Bettina Riedl und Markus Reiter vom Verein neunerHAUS, die Obdachlosen in Wien nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch umfangreiche Betreuung bieten, können sich über 10.000 Euro von den Sponsoren freuen. Sie sehen ihr Ziel auch weiterhin darin, mehr als 150Menschen in ihren drei Wohnhäusern in Wien ein Leben in Würde zu ermöglichen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.10.2009)