Kein eigenes Jugendgefängnis - Kritik der Wiener Jugendanwaltschaft

Im "Grauen Haus" sei eine wirkliche (Re-)Sozialisierung unter solchen strukturellen Bedingungen nicht möglich.

Der Umstand, dass Wien entgegen älteren Plänen kein eigenes Jugendgefängnis bekommt, u.a. weil die in der Justizanstalt Josefstadt gesetzten Maßnahmen für jugendliche Insassen ausreichend seien, ist am Mittwoch von der Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft kritisiert worden. Im "Grauen Haus" sei eine wirkliche (Re-)Sozialisierung unter solchen strukturellen Bedingungen nicht möglich.

Die Justizanstalt für Jugendliche in Gerasdorf, in unmittelbarer Nähe zu Wien, würde zu einem Jugendhaft-Kompetenzzentrum umgebaut, hatte Britta Tichy-Martin, Sprecherin des Justizministeriums, angekündigt. Dort sei man bereits jetzt auf die Resozialisierung von Jugendlichen spezialisiert, was noch weiter optimiert werden soll. Insbesondere würden zusätzliche Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten für die jugendlichen Insassen geschaffen werden.

"Eigens eingerichtetes Jugenddepartment"

Auch das "eigens eingerichtete Jugenddepartment" der Justizanstalt Wien-Josefstadt leiste gute Arbeit, so Tichy-Martin. Der Bereich für Jugendliche sei etwa "vollkommen abgeschlossen vom Erwachsenenvollzug". Neben speziell geschulten Justizwachebediensteten seien unter anderem externe Therapeuten, Sozialarbeiter, Lehrer und Psychologen im Einsatz.

Die Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft würdigte in einer Aussendung zwar das Bemühen, Veränderungen und Verbesserungen voranzutreiben, doch sei eine wirkliche (Re-)Sozialisierung in solchen strukturellen Bedingungen nicht möglich. "Jugenddelinquenz ist ein sehr kompaktes, ganzheitlich zu sehendes, gesellschaftspolitisches Thema, das auch nur ganzheitlich zu diskutieren sein wird", meinte Ercan Nik Nafs, Kinder- und Jugendanwalt.

Budgetäre Überlegungen dürften bei Jugendlichen keine Rolle spielen. Bei der Jugendgerichtsbarkeit einzusparen bedeute, eine kontraproduktive gesellschaftliche Entwicklung zu fördern. Nik Nafs und seine Kollegin Monika Pinterits fordern die alternative Unterbringung und Betreuung von delinquenten Jugendlichen sowie die Einrichtung eines eigenen Jugendgerichtshofes.

(APA)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.