Austria-Vorstand Thomas Parits ist von der Blüte seiner Veilchen begeistert, will das aber vorerst nur als Momentaufnahme verstanden wissen. Denn in Kapfenberg weht am Mittwoch ein anderer, rauerer Wind als in Favoriten.
WIEN. „Haben Sie den Diabang gesehen? Der rennt ja wie ein Wahnsinniger. Auch Junuzovic, Sulimani oder Baumgartlinger überzeugen mich. Irre, wir sind Tabellenführer. Aber, bleiben wir ehrlich – es ist nur eine Momentaufnahme. Aber jetzt in diesem Augenblick, ja – da ist das schon wunderbar.“ Aus Thomas Parits, dem Sportvorstand der Wiener Austria, sprudelte es richtiggehend heraus. Das 2:2 gegen Bremen, das 3:0 gegen Lask, die nunmehr seit 21 Spielen anhaltende Heimserie – Austria ist seit Juli 2008 im Horr-Stadion ungeschlagen – und die stille Hoffnung, vielleicht auch am Ende noch vorne dabei zu sein, das alles bringt den 63-Jährigen so richtig in Fahrt.
Am Verteilerkreis, so scheint es, gibt es augenblicklich kaum Probleme. Die Mannschaft wirkt intakt, Trainer Karl Daxbacher spricht ihr laufend neuen Mut zu, und die Fangemeinde ist glücklich. Violett sei wieder „in“, sagt Parits; zumindest in Favoriten.
Auch von Frank Stronach werde kaum noch gesprochen, alles drehe sich nur noch um den tatsächlichen Erfolg. „Glauben Sie mir“, schildert der Sportvorstand das Erlebte vom Wochenende impulsiv, „bei uns waren 9388 Zuschauer im Stadion, gegen Lask. Das ist doch enorm. Wir haben es geschafft, dass sich die Fans wieder mit Austria identifizieren.“
Trügerische Impressionen
Im derzeitigen Stimmungshoch falle es kaum auf, dass mit Okotie und Jun zwei wichtige Stützen fehlen, meint Parits. „Daxi“, damit meint er liebevoll Trainer Karl Daxbacher, verstehe es eben, seine Mannschaft auf den jeweiligen Gegner gezielt einzustellen. Auch habe er das nötige Geschick bei Einwechslungen. Parits: „Ich habe ihm gesagt, dass er jetzt in jedem Spiel dreimal tauschen muss. Aber Scherz beiseite. Der Erfolg ist eindeutig Daxbachers Verdienst.“
Von einem Selbstläufer wollte Parits dennoch nicht sprechen. Trotz aller Euphorie wurmt ihn immer noch die 1:2-Niederlage in Klagenfurt. Ohne diesen „Ausrutscher“ würde der Vorsprung auf Salzburg bereits fünf Punkte betragen. Aber mit dem Blick auf die Tabelle wolle er in Hinkunft ohnehin vorsichtiger sein. Ob der Kadergröße und Spielerstärke, über die Salzburg verfüge, sei das Bild „durchaus trügerisch. Das ist die stärkste Mannschaft Österreichs. Wir wollen alles unternehmen, damit wir auch im kommenden Jahr international dabei sind.“ Das sei die Ebene, auf der Violett schillern wolle – der Europacup.
Dieser Wunsch birgt aber eine Gefahr. Zwischen Europa League, Heim- und Auswärtsspielen in der Bundesliga liegen doch noch Welten. Kapfenberg, der heutige Gegner, ist auch nicht mit Werder Bremen zu vergleichen. Dort versammelt sich nicht eine Unzahl von Scouts. Vielleicht schwindet bei so manchem, zuvor noch gelobten Spieler – zehn Verträge laufen mit Saisonende aus – vor kleineren Rängen auch die Motivation. Es ist Daxbachers Geschick gefragt, denn trotz kurzer Glücksgefühle – das Europacup-Abenteuer in dieser Saison ist enden wollend. Die Meisterschaft hingegen dauert noch lange.
Wer Anspannung verleiht
Für Parits gibt es da keine Zweifel. Austria könne „sehr wohl“ zwischen Europa League und Bundesliga unterscheiden. Bei Spielen gegen Salzburg oder Bremen, da komme die Anspannung bei Spielern von selbst. Gegen Kapfenberg bedarf es eben einer zusätzlichen Motivation durch den Trainer. Weil dort „die Trauben hoch hängen und ein rauer Wind weht“. Am Ziel ändere sich aber nichts. „Wir fahren dorthin, um zu gewinnen.“
Die Statistik jedenfalls spricht klar für den Tabellenführer. Kapfenberg ist seit fünf Runden sieglos, der letzte Erfolg gegen Austria datiert aus dem Herbst 1957.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.10.2009)