Quelle-Chef Wolfgang Binder hat zuletzt betont, dass dem Unternehmen zwei Wochen blieben, um einen Investor zu finden. In Branchenkreisen schätzt man den Zeitraum, der noch bleibt, aber als viel kürzer ein.
Fürth/Wien (cim). Das Leben von Quelle Österreich hängt am seidenen Faden. Die Versorgung mit Waren sei dennoch stabil, die Geschäfte laufen sicher weiter, beruhigt man in Linz. Kunden beschweren sich dennoch, dass bestellte Waren erst mit Verzögerung ankommen. Deutsche Medien berichten, dass bei den Auslandstöchtern der deutschen Quelle nur mehr eine von drei Bestellungen ausgeliefert werden kann. In Linz will man davon nichts wissen. Das Geschäft laufe auf hohem Niveau und ohne Lieferschwierigkeiten weiter.
Dennoch drängt die Zeit bei der Suche nach einem rettenden Investor, am Wochenende seien die Verhandlungen auf Hochtouren weitergegangen. Einige Interessenten hätten sich bereits Zugang zu den Firmendaten verschafft, am Dienstag waren mögliche neue Partner in Linz zu Besuch.
Quelle-Chef Wolfgang Binder hat zuletzt betont, dass dem Unternehmen zwei Wochen blieben, um einen Investor zu finden. In Branchenkreisen schätzt man den Zeitraum, der noch bleibt, aber als viel kürzer ein. Selbst in zwei Wochen sei es äußerst schwierig, das Unternehmen ausreichend zu prüfen, eine Übernahme brauche deutlich mehr Zeit, heißt es.
Wird der Betrieb in Deutschland komplett eingestellt, werde auch Quelle Österreich in die Insolvenz schlittern. Es sei denn, der Insolvenzverwalter entscheidet sich, die für die Auslandstöchter nötigen Prozesse noch monatelang zu erhalten.
Massenansturm Arbeitsloser
Bei der deutschen Mutter ist indes die Liquidation des Unternehmens im Gange. Bis Ende der Woche muss die Agentur für Arbeit etwa 4000 Menschen in einer eigens eingerichteten Quelle-Außenstelle betreuen. „Das ist die größte Kündigungswelle innerhalb so kurzer Zeit in der Geschichte der Arbeitsagentur“, sagt der Chef der bayerischen Regionaldirektion, Rainer Bomba. Auch das Rote Kreuz und Psychologen sind vor Ort, um Notfälle zu betreuen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.10.2009)