Einen schönen Tag noch, und machen Sie es gut

Abschied
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Warum es kein richtiges Grüßen gibt.

„Einen schönen Tag noch!“, rufen die Kinder, in diesem fröhlichen, unverbindlichen Ton, den sie aus dem Fernsehen kennen, und stürmen aus dem Zuckerlgeschäft, in der Hand die Beute fest umklammert. Der alte Herr, der zwar streng, aber höchst gelassen die einzelnen Süßigkeiten mit einer Zange aus den Behältern geangelt hat, war schon alt, als ich ein Kind war. Die Auslage hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht wesentlich verändert. In der Nähe einer Schule können solche Geschäfte überleben; an diese Momente des Glücks werden sich die Kinder noch erinnern, wenn sie vieles andere schon vergessen haben.

Alle haben vom Kleinkindalter an versucht, ihnen das richtige Grüßen beizubringen, von den Großeltern über Freunde über Pädagogen, nie wurde mehr draus als ein verlegen gemurmeltes „Hallo“ und ein hingehauchtes „Tschüss“ zum Abschied, mit der die Unsicherheit überspielt werden konnte, ob man diese alten Menschen, die mit den Eltern per Du waren, nun siezen oder duzen sollte. Die Grußformeln, die sich über Radio, Fernsehen und den Freundeskreis heimisch gemacht haben, haben die Verlegenheit nun verjagt. Es fühlt sich erwachsen und stark an, dieses „Schönen Tag noch“, und beliebig variieren kann man es auch (Abend, Woche, Wochenende, Leben).

Abschiedsformeln sind ja auch für Ältere nicht so einfach, da gibt es viel Spielraum zwischen der überschwänglichen Häufung („Servus, grüß dich, baba!“), dem freundschaftlichen „Mach's gut“ oder den diversen Einsprengseln aus den Bundesländern („Pfiat eich“) oder der Welt („Bye-bye“).

„Bis bald“ ist angenehm, weil es den Abschied auslässt und das Wiedersehen betont. Das Auseinandergehen ist nur vorübergehend. Darauf vertraut man, im täglichen Leben. Dass nicht so ein salopper, hingeworfener Gruß vielleicht der letzte gewesen sein könnte.

E-Mails an: friederike.leibl-buerger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2017)

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