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Die Hassliebe zur Frauenquote

WKO-Vizepräsidentin Martha Schultz
WKO-Vizepräsidentin Martha Schultz(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Andreas Pranter)
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WKO-Vizepräsidentin Martha Schultz hat nichts gegen eine Aufsichtratsfrauenquote. Der Grundtenor aus der Kammer ist ein anderer.

Wien. Georg Kapsch machte seine Ablehnung mehr als deutlich. „Wir sind grundsätzlich gegen Quoten“, betonte der Chef der Industriellenvereinigung (IV) prompt, nachdem Anfang Februar Regierungspläne bekannt geworden waren, wonach in den großen österreichischen Unternehmen ab 2018 eine 30-prozentige Frauenquote in den Aufsichtsräten zur Pflicht werden soll.

Das Gegner- und das Befürworterlager grenzten sich schnell ab. Hier Arbeiterkammerpräsident Rudolf Kaske, Gewerkschaftsbundchef Erich Foglar und SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek, die sich stark für die Quotenregelung nach deutschem Vorbild aussprachen. Dort die Neos, die IV unter Kapsch und die Wirtschaftskammer, die die Regelung als den falschen Weg bezeichneten.

 

Unerwartet sanfte Töne

Da ist es beachtlich, dass nun gerade die Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer, Martha Schultz, deutlich sanftere Töne anschlägt. Am Donnerstag präsentierte sie anlässlich des nahenden Internationalen Frauentags in ihrer Funktion als Chefin der „Frauen in der Wirtschaft“ ihre Forderungen an die Politik und ließ dabei aufhorchen: Sie übersehe eine Aufsichtsrätinnendatenbank mit 505 Bewerberinnen für alle Themengebiete. Und sie beobachte stets, welche Aufsichtsratsposten frei werden und setze sich gezielt für die Bewerberinnen ein. Wie man sich gegen die männliche Konkurrenz für börsenotierte oder staatsnahe prestigeträchtige Posten durchsetzen will? „Es kommt ja bald die Quote“, lautete Schultz' Antwort.

„Wenn ich als Quotenfrau gewählt worden wäre, würde ich es nicht tun“, fügte die Vizechefin der Wirtschaftskammer im Anschluss aber gleich klärend hinzu. Die Kompetenz ihrer Aufsichtsratsaspirantinnen stehe außer Frage, betonte sie. Elf Prozent der 240 Absolventinnen aus ihrem hausinternen Führungskräfteprogramm „Zukunft Frauen“ seien bereits in Aufsichtsratsposten, vier Prozent in mehreren gleichzeitig. Gerade wird der zwölfte Durchgang des Programms von der WKO gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium und der Industriellenvereinigung veranstaltet.

Martha Schultz, die mit ihrem Bruder ein Tiroler Firmenimperium aus Tourismus- und Seilbahnbetrieben leitet, will aber nicht bei den von der Regierung avisierten Aufsichtsräten haltmachen. Das Gesetzesvorhaben sieht vor, ab 1. Jänner 2018 die börsenotierten Unternehmen sowie Firmen mit mehr als 1000 Beschäftigten bei Neueinstellungen in die Pflicht zu nehmen. Schultz will die Geschlechterverhältnisse noch einige Stufen darunter bewegen: Führungskräftekurse auf dem Land sollen mehr Frauen in Tourismusverbände, Gemeinderäte oder Abwasserverbände bringen. „Wenn man in die Gremien schaut, ist es dort noch sehr, sehr männlich.“

 

Aufholbedarf bei Betreuung

Daneben fordert sie Erleichterungen bei der Kinderbetreuung. Das sei im Jahr 2017, in dem 37 Prozent der Einzelunternehmer weiblich sind und die Hälfte der selbstständigen Frauen Kinder hat, ein Muss.

2002 habe sich Österreich den Barcelona-Zielen der EU verschrieben und versprochen, für 33 Prozent der unter Dreijährigen bis 2010 ein Betreuungsangebot auf die Beine zu stellen. Heute liege man erst bei 25 Prozent und hinke dem EU–Schnitt hinterher. Das müsse sich ändern.

Flexiblere Arbeitszeiten sind das zweite große Thema, bei dem sie Nachholbedarf zugunsten der Arbeitnehmerinnen ortet. Hier liegt Schultz wieder ganz auf der Linie ihrer Interessenvertretung. Arbeitszeitflexibilisierung bedeute nicht Lohnraub, wies WKO-Chef Christoph Leitl in seiner Aschermittwochrede erneut die Kritik der Gewerkschaft zurück. (loan)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2017)