Deutsche Staatsanleihen: Wetten auf den Sinkflug

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Die Anzeichen einer Kurskorrektur bei deutschen Staatspapieren mehren sich. Mutige Anleger können darauf setzen.

Wien. Als vor einigen Tagen die Umfragen in Frankreich auf einen kräftigen Aufschwung für Marine Le Pen und ihre Partei deuteten, knickten die Aktienmärkte ein gutes Stück ein – und die Nachfrage nach deutschen Bundesanleihen als sicherer Hafen schnellte nochmals kräftig nach oben.

Das blieb nicht ohne Folgen auf die Renditen, sie rutschten kurzzeitig wieder in die Minuszone. Denn je teurer Anleihen werden, desto weniger bleibt Anlegern vom fixen Kupon übrig. Und das drückt sich in einer sinkenden Rendite aus.

Allerdings war dieser Kurssprung eine politisch gesteuerte Reaktion – und politische Börsen haben kurze Beine. Aus volkswirtschaftlicher Sicht mehren sich die Anzeichen, dass die langjährige Hausse vor allem bei deutschen Bundesanleihen zu Ende gehen könnte. Hier gab es den kräftigsten Zuwachs im Vergleich zu anderen europäischen Staatsanleihen. Zudem beginnt die Inflation zügig anzuziehen. Sie erreichte in Deutschland im Februar 2,2 Prozent. Das lastet vor allem auf den Kursen langlaufender Anleihen. Hier ist man viele Jahre gebunden, und die Inflation nagt umso länger an den mickrigen Renditen.

Werden dann auch noch die Zinsen angehoben, sind neue Anleihen, die danach emittiert werden, attraktiver. Das würde den Verkaufsdruck bestehender Anleihen verstärken. Schoellerbank-Analyst Jakob Frauenschuh meint, es gebe gute Gründe anzunehmen, dass die Tiefststände bei den Zinsen überwunden seien. „Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank, zeigt sich fest entschlossen, die Zinsen weiter anzuheben. In Europa lässt man sich damit noch etwas Zeit, doch die Vorgaben aus Übersee sind eindeutig.“

ETFs oder Zertifikate

Allerdings können risikobereite Anleger auf sinkende Kurse bei deutschen Bundesanleihen setzen. Möglich machen es etwa Short-ETFs auf den Bund-Future, ein Derivat, der die künftige Preisentwicklung deutscher zehnjähriger Bundesanleihen abbildet. Geht man mit einem börsegehandelten ETF nämlich „short“, bedeutet es, dass man auf fallende Kurse setzt.

Für Comstage-Geschäftsführer Thomas Meyer zu Drewer liegen die Vorteile auf der Hand: „Es gibt keine Fälligkeit und keine Barrieren, bei denen die Produkte wertlos verfallen.“ Praktisch eignet sich dieses Investment aber nur für ausgeprägte Kurstrends. Denn was dabei zählt, ist die tägliche prozentuelle Veränderung des Bund-Future bzw. die inverse Wertentwicklung für den Short-ETF. Liegt man dabei richtig, kann sich ein schöner Gewinn ergeben.

Steigen die Rentenmärkte hingegen an, dann rutscht der Short-ETF prozentuell immer weiter ins Minus. Um dieses wieder wettzumachen, müssen die Rentenmärkte erst einmal wieder kräftig sinken. „Die Produkte eignen sich daher als kurzfristige Trading-Chance oder als grobe Portfolioabsicherung“, so Meyer zu Drewer. Das gleiche Prinzip gilt auch für Short-Zertifikate, nur dass Zertifikate kein Sondervermögen, sondern eine Form von Schuldverschreibungen sind. Man hat also ein Emittentenrisiko.

Ein wenig anders funktionieren Turbo-Short-Zertifikate. Hier richtet sich das Zertifikat nach der absoluten (und nicht der prozentuellen) Kursveränderung des Basiswerts, und zwar gehebelt. Sinkt der Basiswert etwa um zwei Euro, steigt der Kurs des Zertifikats – beispielsweise bei einem Hebel von zwei – um vier Euro an. Bewegt der Markt sich aber in die falsche Richtung und berührt die Barriere, verfällt das Zertifikat wertlos. Je größer der Hebel ist, desto geringer ist der Abstand zu dieser, das Produkt wird riskanter. Das sollte man vor einem Investment vorsichtig abwiegen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.03.2017)

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