Warum kein Zirkuszelt?

Christian Kühn
Christian Kühn(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Das Parlament zu Gast auf dem Wiener Heldenplatz: Für Architekturkritiker Christian Kühn sind die nüchternen Büroboxen vor allem eines: eine vergebene Chance.

Die Ankunft des Parlaments auf dem Heldenplatz beginnt mit einer Entschuldigung. Oder eher mit vielen. Die Baustelle mit den künftigen temporären Büros der Parlamentarier ist geradezu umzingelt von „We are sorry“/„Wir bitten um Verständnis“-Tafeln. Und damit nur ja keine Zweifel aufkommen, wird extra hingewiesen: „Das ist nur temporär!“ Der demütige Ton passt zu dem, den auch die Architektur der beiden nüchternen „Beamtenboxen“ (Copyright „Falter“) anschlägt. „Diese beiden Würfel tun so, als wären sie bloß ein Stück Infrastruktur, zum Beispiel zwei Lüftungselemente“, sagt Christian Kühn. Der Architekturkritiker und TU-Professor beschäftigt sich intensiv mit der Architektur von demokratischen Institutionen. Es sei „das Recht eines öffentlichen Gebäudes, sich in Szene zu setzen“. Das Parlament auf Zeit hätte sich symbolträchtig als Widerpart zur imperialen Hofburg, inszenieren können. Darauf wurde verzichtet.

„Man hat einfach zwei Boxen entlang der großen Achsen des Heldenplatzes links und rechts symmetrisch hingestellt“, fasst es Kühn zusammen und nennt das: „Gestaltungsverweigerung“, die „unendlich statisch“ wirke. Das gilt auch für die Außengestaltung der Boxen. Auf potenziell umstrittene künstlerische Projekte hat man sich nicht eingelassen. Was Kühn schade findet, ihn aber nicht überrascht: Immerhin ist auch bei der Sanierung des Parlaments am Ring kein einziges neues Kunstwerk vorgesehen.

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