Wer verschiedene Anlagestrategien kombiniert, bringt Stabilität ins Depot, lässt aber Höhenflüge aus.
Wien. Wer anlässlich der Wahl Donald Trumps auf Aktien gesetzt hat, hat gut daran getan. Der Dow Jones stellt seitdem ein Allzeithoch nach dem anderen ein. Doch das muss nicht so bleiben. Im August 2015 oder zu Beginn 2016 haben schlechte Nachrichten von Chinas Konjunktur oder Preisrückgänge bei Erdöl gereicht, um an den Börsen Korrekturen im zweistelligen Prozentbereich auszulösen. In solchen Phasen hat man besser auch Papiere, die nicht mit Aktien korrelieren.
Und solche sind gar nicht mehr so leicht zu finden. Anleihen und Aktien liefen zuletzt oft parallel. Und wenn es an den Börsen nach unten geht, werden auch Qualitätsaktien mitgerissen.
Einige Fondsmanager fahren daher Strategien, mit denen sie bei steigenden und fallenden Kursen gewinnen können. So versucht man bei Superfund, das Marktrisiko auszuschalten, wie Assetmanager Jürgen Graf erklärt. Man kauft Aktien, die sich besser entwickeln sollten als der Gesamtmarkt; die Auswahl trifft ein Computer. Gleichzeitig verkauft man den Gesamtmarkt, geht also „short“. Sollte es zu einem Börsencrash kommen, genügt es, wenn die erworbenen Aktien weniger als der Markt fallen.
Juozas Barauskas, Investmentspezialist bei Aviva Investors, verfolgt einen Multi-Strategy-Ansatz. Dabei wendet man mehrere Strategien gleichzeitig an. Zum einen macht man, was auch herkömmliche Aktienfondsmanager tun: Man erwirbt Aktien, die man für unterbewertet hält (etwa europäische Bankaktien und Rohstofftitel). Solche können in Abwärtstrends aber ebenfalls fallen.
US-Dollar als sicherer Hafen
Also setzt man auch auf fallende Kurse bei Wertpapieren, die wegen der Geldflut der Notenbanken besonders teuer geworden sind. Schließlich erwirbt man Vermögenswerte, die relativ risikoarm sind, in Krisenzeiten aber gut performen, etwa australische Staatsanleihen: Sollte in China (und damit weltweit) die Wirtschaft schwächeln, exportiert Australien weniger Rohstoffe. Die dortige Notenbank lockert dann die Geldpolitik, was die Anleihekurse treibt. Auch setzt man auf einen steigenden Dollar zum chinesischen Yuan: Sollte es auf den Märkten kriseln, fliehen die Anleger in den Dollar.
Solche Strategien bringen Stabilität ins Depot und mildern die Schwankungen. Nachteil: Eine „Trump-Rallye“ macht man nicht in vollem Ausmaß mit. (b. l.)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2017)