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Eine Explosion vor 13 Milliarden Jahren

Supernova
(c) EPA (Nasa / Chandra/ X Ray Centre / M.weiss / Ho)
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Astronomen entdeckten das älteste Ereignis im Weltall, das bisher vermessen wurde: einen Gammastrahlenblitz. Er stammt noch aus der "dunklen Ära" des Universums.

13 Milliarden Jahre ist das Licht alt, das nun von irdischen Astronomen detektiert wurde: Damit stammt es vom ältesten – und damit am weitesten entfernten – astronomischen Ereignis, das bisher gemessen wurde. (Für Kenner: Es hat eine Rotverschiebung von 8,2.) Es fand statt, als das Weltall erst 630 Millionen Jahre alt war, noch in der Zeit, die eigentlich als „dunkle Ära“ des Universums gilt, die ca. 800 bis 900 Millionen Jahre nach dem Urknall geendet haben soll.

Es war ein Gammablitz und sein Nachglühen (im infraroten Bereich), gemessen von drei Astronomenteams, die ihre Ergebnisse in Nature (461, S. 1254 u. 1258) und in den Astrophysical Journal Letters publizieren. Gammablitze („Gamma ray bursts“, abgekürzt GRB) sind die energiereichsten Ereignisse, die bisher beobachtet worden sind, sie sind so hell, dass sie ganze Galaxien überstrahlen. Wie sie entstehen, ist noch immer nicht ganz geklärt. Die meisten Astronomen einigen sich darauf, dass sie das besonders spektakuläre Ende eines schweren Sterns sind, sozusagen eine Super-Supernova, bei der ein schwarzes Loch oder ein besonders schnell rotierender Neutronenstern entsteht.

 

Kein Stern erster Generation!

Zumindest die Arbeiten in Nature stimmen in einer Interpretation überein: Dieser frühe Gammablitz (nach dem Datum seiner Beobachtung GRB 090423 genannt) sieht nicht viel anders aus als nähere, jüngere Gammablitze. Was überraschend ist: Es impliziert, dass sowohl der explodierte Stern als auch seine Umgebung späteren Sternen und ihren Umgebungen durchaus ähneln. Es kann damit kein Stern erster Generation gewesen sein: Ein solcher kann nur aus Wasserstoff und Helium bestehen, da höhere Elemente sich ja erst in Supernovas gebildet haben. Das heißt, das bereits knapp nach dem Urknall Sterne entstanden und vergangen sind. tk

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.10.2009)

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