ÖVAG holt Sanierer aus Deutschland

(c) APA (Robert Jäger)
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Der deutsche Manager Stefan Rensinghoff soll bei der Volksbanken-Tochter Investkredit aufräumen. Die Investkredit ist heuer tief in die Verlustzone gerutscht. Wie es mit ihr weitergeht, ist offen.

Wien. Die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) erhöht bei der Sanierung der Investkredit das Tempo. Der Aufsichtsrat hat am Mittwoch beschlossen, dass Thorsten Paul, die rechte Hand des früheren ÖVAG-Chefs Franz Pinkl, die Investkredit verlassen wird („Die Presse“ berichtete darüber exklusiv am 25. Oktober). Neu in das Management einziehen wird der Deutsche Stefan Rensinghoff. Er kommt von der Frankfurter DZ-Bank, die mit 25 Prozent an der ÖVAG beteiligt ist.

Rensinghoff wird im Vorstand ab 1. November für den Bereich „Corporates“ (Unternehmen) zuständig sein. Er übernimmt damit ein Schlüsselressort. Denn die Investkredit ist im Volksbanken-Verbund in erster Linie für Unternehmens- und Industriefinanzierungen zuständig. Doch genau in dieser Sparte häuften sich zuletzt die Probleme.

Vorstand wird aufgestockt

Wie andere Banken musste die Investkredit zuletzt die Risikovorsorgen für Kredite deutlich erhöhen. Denn im Zuge der Wirtschaftskrise können viele Unternehmen ihre Darlehen nicht mehr zeitgerecht zurückzahlen. Die Investkredit und die ÖVAG sind daher in die roten Zahlen gerutscht. Spekulationen, dass die Gruppe heuer einen Vorsteuerverlust von mehr als 500 Mio. Euro einfahren wird, werden nicht kommentiert.

Neben Rensinghoff wird auch die Kredit- und Sanierungsexpertin Monika Fürnsinn in den Investkredit-Vorstand einziehen. Sie wurde von der Bank Austria abgeworben. Das Führungsteam wird damit von drei auf vier Personen aufgestockt: Klaus Gugglberger (zuständig für das Immobiliengeschäft) und Michael Mendel (er ist auch ÖVAG-Vizechef) bleiben der Bank erhalten.

Wie es mit der Investkredit weitergeht, ist offen. Ende 2005 hatte der frühere ÖVAG-Chef Pinkl den anderen österreichischen Banken für stolze 800 Mio. Euro die Investkredit und deren Tochter Kommunalkredit abgekauft. Schon damals meinten Konkurrenten, dass der Preis überhöht sei. Pinkl hatte dagegen von einer „Jahrhundertchance“ gesprochen. Die Investkredit war einst mit einer Bilanzsumme von 22 Mrd. Euro die sechstgrößte Bank Österreichs.

Mit dem Kauf überholten die Volksbanken die Bawag und stiegen zur Nummer vier am heimischen Bankensektor auf. Nur Bank Austria, Erste Bank und Raiffeisen Zentralbank sind größer.

Doch mit der Investkredit haben für die ÖVAG die Probleme begonnen. Wegen des Debakels um die Kommunalkredit mussten die Volksbanken im Vorjahr einen dreistelligen Millionenbetrag abschreiben. Im September erklärte der neue ÖVAG-Chef Gerald Wenzel, er denke über einen Verkauf der Investkredit nach. Er prüfe dazu alle Optionen. Eine Entscheidung soll 2010 fallen. Nur einen Monat später widersprach ÖVAG-Vize Mendel seinem Kollegen: „Die Investkredit wird nicht verkauft“, so Mendel. Stattdessen werde sich die Bank aus mehreren Ländern Osteuropas (Ukraine, Rumänien, Ungarn) und aus Malta zurückziehen.

Nicht kommentiert werden Gerüchte, dass die Investkredit mittelfristig mit der ÖVAG fusioniert werden soll. Wichtige Bereiche wie das Treasury (Handel mit Wertpapieren) wanderten schon zur ÖVAG ab.

Spezialbankenverkauf

Die Probleme bei der Investkredit sind aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Im Frühjahr wurde das Spitzeninstitut der Volksbanken vom Staat mit einer Mrd. Euro unterstützt. Zusätzlich übernahm die Republik Garantien für mehrere Anleihen in Milliardenhöhe. Wie die Kärntner Hypo Group Alpe Adria können auch die Volksbanken heuer die Zinsen für die Staatshilfe nicht zahlen. Denn in den Verträgen mit allen Banken gibt es einen Passus, wonach das Finanzministerium in Verlustjahren kein Geld bekommt. Damit entgehen dem Bund 93 Mio. Euro.

Um Geld hereinzubekommen, will die ÖVAG fünf Spezialbanken (wie Ärztebank, Immobank und VB Factoring Bank) für 230 Mio. Euro an die 53 Bundesländer-Volksbanken verkaufen. Doch hier regt sich Widerstand. Vor allem die Institute in Westösterreich sind dagegen. Dem Vernehmen nach gibt es auch Bedenken der Aufsichtsbehörden.

Gelingt es der ÖVAG bis 2011 nicht, die erste Tranche der Staatshilfe von 300 Mio. Euro zurückzuzahlen, droht die Verstaatlichung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.10.2009)

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